Papst will den Zölibat für Priester nicht lockern


Auch für abgelegene Regionen, wo wegen Priestermangels kaum Messen stattfinden, soll es keine Ausnahme geben. Doch soll sich die katholische Kirche mehr in Richtung Laienkirche weiterentwickeln.

Andreas Wysling | Neue Zürcher Zeitung

In der katholischen Kirche können weiterhin nur unverheiratete Männer Priester werden. Doch sollen Laien, «reife Männer» ebenso wie «starke und engagierte» Frauen, stärker im Betrieb und in der Organisation der Kirche mitwirken, auch in verantwortungsvollen Positionen. Sie können, mit Ausnahme von Eucharistie und Sakramenten, fast alle Aufgaben eines Priesters ausüben. Das hält Papst Franziskus in einem Schreiben fest, mit dem er auf die Vorschläge der Amazonas-Synode vom Oktober antwortet. Das Schreiben, eine «apostolische Exhortation», wurde am Mittwoch im Vatikan vorgestellt.

Der Papst reagiert mit der Öffnung kirchlicher Funktionen für Laien auf das Problem des Priestermangels, das sich im Amazonas-Gebiet besonders stark bemerkbar macht. Hier tauchen katholische Priester an entlegenen Orten nur äusserst selten auf. Sie stossen dann auf Konkurrenz durch evangelikale Prediger; diese können die Rituale durchführen, die sich die Leute wünschen. Folglich wandern getaufte Katholiken zu Pfingstkirchen oder Charismatikern ab. Diese Tendenz will man stoppen. «Die Ärmsten sollen nicht ausserhalb der Kirche nach einer Spiritualität suchen müssen», heisst es in dem päpstlichen Schreiben.

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