„Ansätze zur Reform im Kirchenverständnis gibt es nicht“


Eröffnet das Schreiben von Papst Franziskus Spielräume für Reformen in der katholischen Kirche? Und was bedeutet es für den Fortgang des Synodalen Wegs in Deutschland? Kirchenrechtler Norbert Lüdecke gibt im Interview Antworten.

Joachim Heinz | katholisch.de

Nach der Veröffentlichung des Nachsynodalen Schreibens „Querida Amazonia“ stellen sich viele Fragen. Eröffnet das Schreiben von Papst Franziskus Spielräume für Reformen in der katholischen Kirche? Und was bedeutet es für den Fortgang des Synodalen Wegs zur Zukunft der kirchlichen Lebens in Deutschland? Im Interview gibt der Bonner Kirchenrechtler Norbert Lüdecke eine Einschätzung zu diesen Fragen ab.

Frage: Professor Lüdecke, wie bewerten Sie als Kirchenrechtler das Schreiben zur Amazonas-Synode?

Lüdecke: Mit welcher Eindeutigkeit der Papst die Umweltverschmutzung und die wirtschaftliche Ausbeutung der Amazonas-Region benennt sowie Verbrechen gegen die indigene Bevölkerung verurteilt, ist für ein Lehrschreiben äußerst ungewöhnlich und sehr bemerkenswert. Wer sich aber Hoffnungen auf eine Reform innerhalb der Kirche gemacht hat, dürfte durch das Schreiben massiv enttäuscht worden sein.

Frage: Die Teilnehmer der Synode in Rom hatten sich mehrheitlich für eine stärkere Rolle von Frauen und die Zulassung verheirateter Männer zur Priesterweihe ausgesprochen. So steht es im Schlussdokument der Synode. In seinem nun veröffentlichten Schreiben legt der Papst ausdrücklich nahe, dieses Schlussdokument genau zu studieren. Ist das bloß ein Lektüre-Tipp oder setzt er die dort enthaltenen Voten in Kraft?

Lüdecke: In seinem Nachsynodalem Schreiben fasst der Papst das zusammen, was ihm wesentlich erscheint. Die Akzente sind regional, also auf die Amazonas-Region bezogen, und haben einen sozialethischen Schwerpunkt. Ansätze zur Reform im Kirchenverständnis gibt es nicht. Tatsächlich verweist er auf das Schlussdokument. Aber die Bischofssynode hat keinerlei Verbindlichkeit. Sie gibt lediglich einen Ratschlag. Was daraus zu machen ist, entscheidet allein der Papst. Ein Nebeneinander beider Papiere vermag ich kirchenrechtlich nicht zu erkennen.

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