Krise der CDU: Die bürgerliche Mitte ist ein Mythos


Die politische Landschaft ist zersplittert. Wer sich am Konstrukt einer bürgerlichen Mitte ausrichtet, verweigert sich der Realität.

Viktor Funk | Frankfurter Rundschau

Wir müssen über die Mitte reden. Darüber, ob es sie noch gibt in unserer Gesellschaft. Darüber, ob es sie je so gab, wie sie sich viele vorstellten. Darüber, ob mit ihr eigentlich schon immer eine Fantasie verbunden war, die Fantasie, dass Mitte Stabilität, Sicherheit, Berechenbarkeit bedeutet. Die bürgerliche Mitte, in die viele strebten – gibt es sie noch?

Angeblich respektierten die FDP und die CDU in Thüringen nur den Wunsch der Wählerinnen und Wähler, als sie eine Regierung der „bürgerlichen Mitte“ ermöglichen wollten. In ihrem Selbstbetrug haben sie nun die Demokratie beschädigt. Ihr Selbstbetrug liegt darin, dass sie an etwas festhalten, was es schon lange nicht mehr gibt, und das sie aktiv mit zerstört haben – das politische Konzept Mitte.

Thüringen: Der Widerspruch der politischen Erzählung 

Spätestens seit der neoliberalen Agenda von Rot-Grün, aber eigentlich schon seit 1989/90, widersprechen die reale Politik und das von ihr geprägte Wirtschaftssystem in Deutschland der politischen Erzählung von diesem Land. Eine Politik, die auf Ich-AGs setzt, den Mobilisierungsdruck erhöht und von ökonomischen Interessen diktierte Flexibilität von Menschen verlangt, verschleiert die sozialen Kosten und die individuellen Opfer mit der mythischen Erzählung eines zusammenwachsenden Landes.

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