Deutsche: Esst keine Kartoffeln!

Bild: NDR.de

Sie wähnen sich im „Infokrieg“, planen die „Themeninvasion“ und arbeiten an der „Kontrakultur“. Notfalls machen sie fürs Vaterland aber auch mal eine Kochshow. Die Neue Rechte hat mit eigenen Youtuberinnen und falschen Profilen eine effektive Online-Strategie entwickelt.

Florentin Schuhmacher | Frankfurter Allgemeine Zeitung

Ein Nachtschattengewächs aus dem Ausland Bild: Picture-Alliance

Ein junger Mann steht in der Küche und bereitet ein Wiener Schnitzel zu, das kein Wiener Schnitzel, weil aus Schweinefleisch ist. Kalbfleisch war zu teuer. Aber der junge Mann kennt einen „Studententrick“. Zitronensaft. Über Nacht eingelegt, färbt der Saft das dünngeklopfte Schweinefleisch gräulich, und, das sagt der Mann in schönem Österreichisch, so werden sie ein „hervorragend schmeckendes Kalbfleischimitat“.

Später schält der junge Mann Kartoffeln. Heiße Kartoffeln. Klebrige Kartoffelstärke an den Fingern. „I mags ned“, sagt der junge Mann. Und noch mal fürs norddeutsche Publikum: „Ich bin kein Kartoffelfreund.“ Er habe mal den Vortrag eines Anthroposophen gehört, der meinte, „die Kartoffel wäre keine gute Frucht für Mitteleuropäer“. Der junge Mann sagt: „Sie kommt aus dem Ausland. Sie wächst unter der Erde. Das Nachtschattengewächs.“

Die Kartoffel, dieses lichtscheue Gewächs. Gerade war sie noch so deutsch, dass man mit „Du Kartoffel!“ klischeedeutsches Verhalten (um sechs zu Abend essen; Müll in acht unterschiedlichen Behältern sammeln; leiden) kommentierte. Aber nein. Ganz falsch. Die Kartoffel ist schließlich nach Mitteleuropa eingedrungen, eine fremde, schädliche Art. Solche Sachen sagt der junge Mann in einem Video auf Youtube, der aus Amerika nach Mitteleuropa eingedrungenen Plattform.

weiterlesen