Milliarden-Geheimnis um Mormonen gelüftet


Ein Vermögen von 100 Milliarden Dollar wirft die Frage auf: Ist der Status der mormonischen Kirche als steuerbefreite Institution berechtigt?

Walter Niederberger | Tages-Anzeiger

Die Kirche Jesu Christi der Heiligen der letzten Tage wahrte mehr als ein halbes Jahrhundert lang ein gut gehütetes Geheimnis der Investmentbranche. Niemand ausserhalb der Kirche wusste, wie viel Vermögen sie angehäuft hatte und wie wenig davon in religiöse und soziale Aufgaben investiert wurde. Doch nun wirft eine bei der US-Steuerbehörde eingereichte Klage eines Whistleblowers zum ersten Mal ein Licht auf den Investmentfonds der Kirche: Der Ensign-Peak-Fonds verwaltet rund 100 Milliarden Dollar, so viel wie der grösste Technologiefonds der Welt und doppelt so viel wie die katholische Kirche und die Stiftung des Ehepaars Gates.

Der Whistleblower David Nielsen, ein 42-jähriger Mormone, arbeitete bis letzten September als Portfolio-Manager für den Investmentfonds in Salt Lake City. In seiner Klageschrift an die Steuerbehörde IRS macht er geltend, die Gläubigen seien über das wahre Ausmass des Vermögens getäuscht worden. Auch habe die Kirche das Steuergesetz gebrochen, weil die Spenden nicht wie vorgeschrieben für karitative Aufgaben eingesetzt wurden, sondern für den Aufbau eines Riesenvermögens. Weiter hätten die Kirchenvorsteher den Fonds dazu gebraucht, strauchelnde Unternehmen über Wasser zu halten.

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