Trumps Mauer – die Fiktion und die Fakten


Die Demokraten halten sie für eine «Immoralität». Der amerikanische Präsident ruft den Notstand aus, um sein wichtigstes Wahlversprechen durchzudrücken. Doch was meint Donald Trump überhaupt, wenn er die Mauer beschwört? Und wie viele Kilometer wurden bereits gebaut?

Samuel Misteli | Neue Zürcher Zeitung

Ein Glaceverkäufer schiebt seinen Wagen auf der mexikanischen Seite der Grenze vorbei an den Mauer-Prototypen, die bei Tijuana errichtet wurden. (Bild: Mario Tama / Getty)

«Bau die Mauer! Bau die Mauer!» So tönte es wieder, als der amerikanische Präsident vor den Zwischenwahlen im Herbst durch das Land tourte, seine Basis aufpeitschte und die angebliche Krise an der Grenze zu Mexiko beschwor. Gross und wunderschön werde sie sein, die Mauer, so hatte Donald Trump im Wahlkampf versprochen, mit einer grossen Tür in der Mitte, für die legalen Migranten. Und bezahlen würde das alles Mexiko.

5,7 Milliarden Dollar an Budgetgeldern hat Trump für 2019 verlangt. Die Demokraten dachten nicht daran, ihm das Geld zu bewilligen. Deshalb lagen Teile der amerikanischen Verwaltung im Dezember und Januar während mehrerer Wochen still. Nun greift Trump zu einem rechtsstaatlich fragwürdigen Mittel, um die Mauer durchzudrücken: Er will den Notstand ausrufen.

Was Trump in zwei Jahren Amtszeit an Mauer gebaut hat, steht in Otay Mesa bei San Diego, wenige Meter von der Grenze entfernt: acht Mauerstücke als Prototypen, fünfeinhalb bis neun Meter hoch, Kostenpunkt 20 Millionen Dollar. Im Dezember 2017 kletterten Spezialeinheiten des Militärs und der Grenzwache während dreier Wochen auf den Prototypen herum und traktierten sie mit Presslufthämmern und Schweissbrennern. Der Befund im Januar 2018: Alle Modelle haben den Test bestanden.

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