Ein neuer Neandertaler aus der Shanidar-Höhle


In den 1950er Jahren sorgte der Fund mehrerer Neandertaler-Überreste in der nordirakischen Shanidar-Höhle für weltweites Aufsehen. Jetzt haben Wissenschaftler dort bei neuen Ausgrabungen noch einen Neandertaler entdeckt – es ist der erste Fund eines zusammenhängenden Skeletts dieser Frühmenschenart seit 25 Jahren. Ersten Analysen nach stammen die Überreste von einem Erwachsenen im mittleren Alter, der vor rund 70.000 Jahren lebte. Seine Position und die Grube, in der er lag, sprechen nach Ansicht der Forscher dafür, dass er sorgsam bestattet wurde.

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Rippen und Wirbelsäule des Neandertalerskeletts Shanidar Z. (Bild: Graeme Barker)

Die Shanidar-Höhle im Nordosten des Irak ist unter Anthropologen berühmt. Denn in ihr entdeckte der Archäologe Ralph Solecki in den 1950er Jahren die Überreste von gleich zehn Neandertalern – Männern, Frauen und Kindern. Einige von ihnen waren offenbar von Felsbrocken getötet worden, die von der Höhendecke hinabgefallen waren. Andere jedoch schienen formell bestattet worden zu sein – zumindest war dies Soleckis Ansicht. Als besonders überzeugendes Indiz dafür galt lange das „Blumengrab“ des Skeletts Shanidar 4. Dieser Mann im mittleren Alter lag in Fötusstellung auf seiner linken Seite in dem Grab, um ihn herum wurden Pollen verschiedener Pflanzen, darunter auch Heilpflanzen gefunden. Aus diesen Merkmalen schlossen einige Wissenschaftler, dass dieser Mann Blumenschmuck als Grabbeigabe erhalten hatte und dass es sich möglicherweise um einen heilkundigen Schamanen handelte. Diese Interpretation der Funde ist allerdings stark umstritten.

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