Misogynie: »Der Antifeminismus soll die eigene weiße Rasse erhalten«

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Millionen Frauen weltweit werden vergewaltigt oder Opfer einer schweren Körperverletzung. Was Männer zur Gewalt treibt, erklärt Gewaltforscher Nils Böckler im Interview. Weil es häufig Anzeichen dafür gibt, ob jemand gewalttätig wird, mahnt er: Wer etwas beobachtet, solle Haltung zeigen.

Steve Ayan | SPEKTRUM

»One Billion Rising« ist eine weltweite Kampagne für ein Ende der Gewalt gegen Frauen und Mädchen und für Gleichstellung. Anlässlich des Aktionstags am 14. Februar 2020 sprach »Spektrum.de« mit dem Pädagogen Nils Böckler über Incels, Personen, die ungewollt keinen Sex haben und der Ideologie einer hegemonialen Männlichkeit anhängen. Weiter spricht er über die Radikalisierung und Inszenierungsstrategien von Gewalttätern und darüber, warum es so schwierig ist vorherzusagen, wer zuschlagen wird.

»Spektrum.de«: Herr Böckler, Sie erforschen Radikalisierungstendenzen im Internet. Worauf liegt der Fokus Ihrer Arbeit?

Nils Böckler: Im Rahmen unseres aktuellen Forschungsprojekts X-SONAR (»Extremistische Bestrebungen in Social-Media-Netzwerken«, Anm. d. Red.) untersuchen meine Kollegen und ich, wie man verschiedene Arten von Radikalisierung im Internet identifizieren und ihnen entgegenwirken kann. Dabei geht es neben Islamismus und Linksextremismus auch um rechtsradikale Strömungen wie »Identitäre« oder Antifeministen. Aus unseren Beobachtungen versuchen wir bessere Strategien für die Früherkennung und Prävention abzuleiten.

Auf die Themen Antifeminismus und Frauenhass kommen wir später noch einmal genauer zu sprechen. Doch zunächst: Wie erforscht man solche Phänomene online? Sie spielen sich sicher oft in geschlossenen Zirkeln und Foren ab.

Teils ja, dann greifen wir etwa auf biografische Dokumente, Gerichtsakten und Interviews mit Aussteigern zurück. Allerdings ist der Hass inzwischen auch in für jedermann offenen sozialen Medien sehr präsent. Da muss man nicht lange suchen. Wenn man über einige Zeit systematisch Daten erhebt, lassen sich etwa an Posts, Likes, Vernetzungsstrategien und Kommentaren Radikalisierungstrends ablesen.

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