Tiefseeraubbau 2020? – Teil 1


Wird der „Mining Code“ dieses Jahr ratifiziert, werden die Ozeane auf den Kopf gestellt. Das soll dem Planeten und der Menschheit dienen. Welche Rolle spielt die International Seabed Authority?

Bulgan Molor-Erdene | TELEPOLIS

Carta Marina von Olaus Magnus (1539) / Bild: Wikipedia

Die ersten Abbildungen der Weltmeere waren reich verzierte Karten mit allerlei Ungeheuern und Meereslebewesen, die nur vage den Schatz der Ozeane preis gaben. Viel ist davon hunderte Jahre später nicht übrig geblieben. Der organische Reichtum der Ozeane ist leer gefegt. Wenn dieses Jahr der „Mining Code“ der Tiefsee veröffentlicht wird, dürfte auch das anorganische Material auf den Meeresböden weggefegt werden.

Seit 2016 arbeitet die International Seabed Authority (ISA) an der Ausarbeitung von Verordnungen zur Exploitation von Bodenschätzen, dem Mining Code. Michael Lodge, Generalsekretär der ISA, wirbt schon länger damit, dass ein solcher Abbau der Mineralien nachhaltiger, fairer und ertragreicher sei als der Bergbau zu Land. Die nötigen Regularien soll seine Behörde noch dieses Jahr herausgeben, dann könnte 2020 tatsächlich das Jahr sein, in dem der kommerzielle Abbau in der Tiefsee ernsthaft beginnt. Doch unklar ist, wie die Regeln zustande kommen und wem sie dienlich sein sollen. Dem Rohstoffhunger der Welt, dem Ökosystem Ozean oder dem Wohl der Menschheit?

Die ISA wurde 1994 von den Vereinten Nationen eingerichtet und sitzt in der jamaikanischen Hauptstadt Kingston. Jedes Land, das das Seerechtsübereinkommen der Vereinten Nationen (UNCLOS) ratifiziert hat, zählt automatisch als Mitglied der ISA. Derzeit sind es 167 Länder und die Europäische Union. Die USA gehören nicht dazu.

Die ISA soll regeln, dass kein Mitgliedsstaat in See stechen und den Meeresboden nach Belieben ausgraben kann. Schließlich wird im UNCLOS festgehalten, dass der Tiefseeboden und seine Ressourcen das „gemeinsame Erbe der Menschheit“ sind und nur „zum Wohle der gesamten Menschheit, unabhängig von der geographischen Lage der Staaten“ abgebaut werden dürfen.

2001 vergab die ISA erstmals Explorationslizenzen. China, Korea, Japan und Russland gehörten zu den ersten Ländern, die die Clarion Clipperton Zone, ein riesiges Gebiet zwischen Hawaii und Mexiko, auf Mineralienvorkommen erkunden durften.

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