Fasten-Aktion der evangelischen Kirche: Wohlfühl-Christentum oder politisch relevant?


„Zuversicht! Sieben Wochen ohne Pessimismus“, so lautet in diesem Jahr das Fastenmotto der evangelischen Kirche. Ist das „dümmliches Life-Coach-Gequatsche“ einer staatsnahen Kirche – oder ein sinnvoller politischer Vorschlag in Zeiten des Schwarzsehens?

Alexander Grau und Andreas Main im Gespräch mit Monika Dittrich | Deutschlandfunk

„Sieben Wochen ohne Pessimismus“, so stellt sich die evangelische Kirche in diesem Jahr die Fastenzeit vor. (imago stock&people)

Bei der Fastenaktion der evangelischen Kirche gehe „vieles komplett durcheinander“, sagte der Philosoph und Publizist Alexander Grau im Deutschlandfunk. Grau hat ein Buch über „Kulturpessimismus“ verfasst. Zum einen könne man pessimistische Haltungen und Gedanken nicht einfach abstellen. Von daher sei das Fastenmotto schon „psychologisch fragwürdig“, so Grau. Hinzu komme, dass dieser Fastenvorschlag am eigentlichen Sinn des Fastens vorbeigehe, kritisierte Grau. Fasten bedeute „Verzicht und Askese“ von etwas, „was wir wollen: Essen, Trinken.“ Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) verdrehe das um 180 Grad.

„Politisch und gesellschaftlich relevant“

Im Vorwort des Fastenkalenders heißt es unter anderem: „Wir kriegen das schon hin.“ Dazu sagte der Deutschlandfunk-Redakteur und Theologe Andreas Main, wenn Optimismus vorordnet oder vorgeschlagen werde, klinge das nach Staatskirche – auch, weil der Satz an Angela Merkels „Wir schaffen das“ erinnere. Es wirke wie „die Christen-Wohlfühlblase evangelischer Kirchentage“. Allerdings wolle und könne er, so Andreas Main, dem Fastenmotto auch Positives abgewinnen. Wenn zwei Millionen Menschen, denn so viele würden sich an der Fastenaktion der EKD beteiligen, lächelnd durch die Straßen gehen und aufs „Schwarzsehen verzichten“ würden, dann wäre das „politisch und gesellschaftlich relevant“.

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