Ein Hoch auf den «tiefen Staat» – weshalb Trumps Verschwörungstheorien die Demokratie im Kern treffen


Ist der amerikanische Präsident das Opfer einer Verschwörung aus dem Innern des Staatsapparates? Zumindest behauptet er dies unablässig. Was Populisten wie er verdammen, gehört in Wirklichkeit jedoch zu den Grundfesten jeder Demokratie.

Andreas Rüesch | Neue Zürcher Zeitung

Der amerikanische Präsident Trump stellt sich als Opfer eines Umsturzversuches dar. Das erweist sich als eine wirkungsvolle Propagandastrategie. Evan Vucci/AP

Populisten unterscheiden sich von anderen Politikern in einem wichtigen Punkt: Ein Wahlsieg ist für sie keineswegs der Schlusspunkt im Kampf um die Macht. Vielmehr beginnt, so wollen sie es dem Publikum weismachen, damit nur die nächste Etappe, nämlich der Kampf mit den finsteren Elementen der Bürokratie, die den Volkswillen zu hintertreiben versuchen. Während traditionelle Grossparteien einen Wahlsieg als Auftrag verstehen, die Staatsmaschinerie zu übernehmen und in ihrem Sinne zu lenken, misstrauen Populisten diesem Apparat zutiefst. In einem von Verschwörungstheorien geprägten Weltbild ist es nicht damit getan, ein paar neue Minister einzusetzen und ab und zu ein Dekret zu unterzeichnen. Nach dem Amtsantritt des amerikanischen Präsidenten Donald Trump forderte dessen damaliger Chefideologe, Steve Bannon, konsequenterweise etwas viel Radikaleres: die «Zerstörung des administrativen Staates».

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