Steinmeiers Reise ins Land der Schwulenfeinde


In mehr als der Hälfte der afrikanischen Länder ist Homosexualität illegal. Auch in Kenia, dem ersten Ziel der Afrika-Reise von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier. Dort kämpfen acht mutige Juristen gegen die Diskriminierung der LGBTQ-Gemeinde

Christian Putsch | WELT

„Bis zu einer gesellschaftlichen Gleichstellung werden noch Generationen vergehen“: Die Juristin Waruguru Gaitho vertritt Homosexuelle in Kenia Quelle: REUTERS

Jedes einzelne Bürozimmer in dem Gebäude am Rande Nairobis hat „Panic Buttons“. Kleine Schalter, über die per Knopfdruck eine Sicherheitsfirma alarmiert werden kann, denn die Mitarbeiter der National Gay & Lesbian Human Rights Commission (NGLHRC) bekommen regelmäßig Morddrohungen. Die kenianische Bürgerrechtsorganisation vertritt jährlich bis zu 450 Menschen aus der LGBTQ-Gemeinde kostenlos bei juristischen Problemen, die als Folge ihrer sexuellen Identität auftreten. Und davon gibt es viele, schließlich zählt Kenia zu den 31 der 54 afrikanischen Länder, in denen Homosexualität illegal ist.

Auf einem Sofa im Erdgeschoss sitzt die junge Menschenrechtsanwältin Waruguru Gaitho. Sie und ihre sieben Kollegen der Organisation haben zuletzt immerhin kleine Erfolge gefeiert. Die Polizei darf seit vier Jahren nicht mehr entwürdigende Analtests veranlassen, mit denen man angeblich Geschlechtsverkehr nachweisen kann. Sie helfen auch zahlreichen Menschen, die schlicht wegen ihrer sexuellen Orientierung Arbeitsplatz oder Wohnung verloren haben. Aber im vergangenen Jahr schmetterte ein Gericht den Antrag an, Homosexualität zu legalisieren. „Bis zu einer gesellschaftlichen Gleichstellung werden noch Generationen vergehen“, sagt die Anwältin.

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