Der Gürtel des Kahimemua


Ein von Deutschen getöteter Stammesführer, ein geraubtes Heiligtum, eine Spurensuche: Unsere Autorin über ein Stück Kolonialgeschichte, das jetzt ein Ende finden könnte.

Christiane Habermalz | Frankfurter Allgemeine Zeitung

1896 in Okahandja, damals Kolonie „Deutsch-Südwestafrika“: Soldaten der deutschen Schutztruppe posieren mit ihren Gefangenen, den Stammesführern Kahimemua zusammen Nguvauva (3. von links) und Nikodemus Kavikunua. Beide wurden kurz danach hingerichtet. Bild: Basler Afrika Bibliographien

Alles begann vor etwa zweieinhalb Jahren in einer Berliner Kneipe. Als Journalistin berichtete ich über den Fortgang der Verhandlungen zwischen der Bundesregierung und der Regierung Namibias über den Völkermord, den die Deutschen zwischen 1904 und 1908 in der damaligen Kolonie Deutsch-Südwestafrika an Zehntausenden Menschen der Herero und Nama verübt hatten. Zu der Delegation von Herero-Vertretern, Teilnehmer der Verhandlungen, zählte Freddy U. Nguvauva. Wir sprachen über Entschädigungsforderungen und über die Rückgabe von Kulturgütern, als er mir eine erstaunliche Geschichte erzählte.

Seine Familie und sein Volk, die Ovambanderu – eine Untergruppe der Herero –, suche noch immer nach dem Gürtel seines Ururgroßvaters. „Es war ein sehr heiliger und historischer Gürtel, der jeweils vom Vater an den Sohn weitergegeben wurde“, sagte er. „Mein Ururgroßvater Kahimemua Nguvauva trug diesen Gürtel. Er wurde 1896 von den Deutschen hingerichtet. Und wir wissen: Sie haben den Gürtel mitgenommen. Wir fordern ihn zurück.“

weiterlesen