Säkulares Judentum: Kiddusch ohne Gott


Säkulare Gemeinden wollen der wachsenden Zahl nichtreligiöser Juden ein geistiges Zuhause bieten

Jessica Donath | Jüdische Allgemeine

Kantor Jonathan Friedmann begrüßt mit seiner Gemeinde in Los Angeles den Schabbat im Freien. Foto: Lauren Kozak

Schabbatkerzen, vertraute Melodien, Challa und Wein – vieles erinnert bei der Versammlung im Klubhaus einer Eigenheimsiedlung in Newport Beach, rund eine Autostunde von Los Angeles entfernt, an den Gottesdienst einer amerikanischen Reformgemeinde. Doch etwas fehlt: Gott.

»Wir geben den Menschen, was eine religiöse Gemeinschaft bietet, schlagen dabei aber einen säkularen Ton an«, sagt Rabbi Adam Chalom, Dekan des International Institute for Secular Humanistic Judaism.

Schma Nach etwa 30 Minuten der Andacht ohne Schma oder Kaddisch, aber mit Gedichten, diskutiert Chalom mit seinen rund 30 vorwiegend weißen Zuhörern jenseits der 50 die Frage: Wer ist jüdisch?

Kol Hadash in Chicago ist mit rund 150 Haushalten eine der größten humanistischen Gemeinden in den USA.

Für den humanistischen Rabbiner, der sich als dem jüdischen Volk und seiner Kultur zugehörig versteht, ist die Antwort eindeutig: »Wir heißen jeden willkommen, der sich mit der Vergangenheit, der Gegenwart und der Zukunft des jüdischen Volkes identifiziert«, sagt er. Die Devise laute: »Du willst bei uns mitmachen? Herzlich willkommen!«

Der 44-jährige Chalom ist Rabbiner von Kol Hadash in Chicago – mit rund 150 Haushalten eine der größten humanistischen Gemeinden in den USA. Gegründet wurde die humanistisch-jüdische Bewegung Mitte der 60er-Jahre von Rabbi Sherwin Wine.

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