Was den Mars erzittern lässt


  • Daten des Mars-Landers Insight zeichnen ein völlig neues Bild unseres Nachbarplaneten.
  • Der Rote Planet wird von häufigen Erdbeben erschüttert, die unter anderem Rückschlüsse auf den Wassergehalt der Marskruste geben.
  • Die Messungen lassen die Forscher auch ihre bisherigen Vorstellungen über das Innenleben des Planeten verwerfen. Sie hoffen nun auf eine Verlängerung der 2020 auslaufenden Mission.

Joachim Laukenmann | Süddeutsche Zeitung

Jeden Abend, eine Stunde vor Sonnenuntergang, wird es ruhig in der Region Elysium Planitia. Dann schlägt die Stunde von „Seis“. Das Seismic Experiment for Interior Structure ist ein empfindliches Ohr, mit dem Wissenschaftler im Rahmen der Insight-Mission der US-Weltraumbehörde Nasa den Pulsschlag des Mars messen – ähnlich wie ein Arzt mit dem Stethoskop in einen Patienten hineinhört. Solange tagsüber der oft stürmische Wind Staub tanzen lässt, verursachen Erschütterungen ein Rauschen im Detektor. Die feineren seismischen Signale gehen darin unter. Nur in den Abendstunden sind die Bedingungen für Seis ideal.

Die Daten des Instruments zeigen, dass der Mars viel häufiger vibriert als erwartet. Erschüttert wird aber noch etwas ganz anderes: das bisherige Verständnis vom Roten Planeten. „Vor der Landung von Insight haben wir rund 2500 Modelle zum Innenleben des Mars gesammelt, zur Struktur, zu den physikalischen Eigenschaften und zur Dichte des Planeten“, sagt Domenico Giardini, Professor für Seismologie und Geodynamik an der ETH Zürich. „Wissen Sie, wie viele dieser 2500 Modelle heute noch gültig sind? Kein einziges.“ Die Daten von Seis haben alle bisherigen Hypothesen zum detaillierten Innenleben des Mars über den Haufen geworfen.

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