Erforschung der Emanzipation des Rechts: Nicht für Gott und nicht fürs Vaterland


Dass Juristen sowohl von der Politik als auch von der Religion unabhängig sind, gehört zu den Grundpfeilern der Demokratie. Bis es dazu kam, dauerte es Jahrhunderte – dabei trennte sich die Rechtswissenschaft von der Rechtsprechung. Erstmals hat ein Historiker die Emanzipation des Rechts erforscht.

Mirko Smiljanic | Deutschlandfunk

Die Selbstbehauptung des Rechts gegenüber Religion, Politik und Wissenschaft ist ein Prozess, der bis heute andauert (imago / McPhoto)

Recht ohne Religion, funktioniert das überhaupt? Fehlt dann nicht das ethisch-moralisches Fundament? Sind Recht und Religion nicht unentwirrbar miteinander verwoben? Beispielhaft zu sehen sowohl am islamischen Rechtssystem der Scharia als auch an den Zehn Geboten, die nach biblischer Überlieferung Gott dem Propheten Mose auf dem Berg Sinai übergeben hat? Fast möchte man in einem ersten Reflex die Frage bejahen, schon bei oberflächlicher Betrachtung fällt die Antwort aber differenzierter aus. Das antike Römische Recht zum Beispiel hatte kaum Berührungspunkte zur Religion.

„Praktisch gar nichts, muss man sagen“, sagt Professor Nils Jansen, Rechtshistoriker an der Universität Münster und Sprecher des Exzellenzclusters „Religion und Politik“.

„Es gibt gewisse Überformungen und religiöse Einflüsse auf das Recht in den christlichen Zeiten, das ist ab dem 3., 4. und 5. Jahrhundert, die sich aber sehr schwer rekonstruieren lassen, weil das eine sehr quellenarme Zeit ist. Deshalb gibt es im Justitianischen Gesetzbuch, diesem Corpus Juris Civilis, gewisse christliche Elemente, aber sehr wenige. Die Substanz des Römischen Rechts, das kann man sagen, ist eigentlich säkular.“

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