Freier Wille: Unser Gehirn bestimmt nicht für sich allein

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Bestimmte Hirnsignale und unser bewusstes Verhalten passen sich dem Körperrhythmus an

Friederike Schlumm | DERSTANDARD

Wenn wir eine Bewegung ausführen, kann man eine erhöhnte Gehirnaktivität messen, das sogenannte Bereitschaftspotenzial. In den 1980er Jahren schlug eine Beobachtung des US-amerikanischen Physiologen Benjamin Libet hohe Wellen: Seine Experimente zeigten, dass dieses Potenzial bereits 350 Millisekunden bevor wir uns zu der Bewegung entschließen messbar ist. Hat unser Gehirn längst entschieden, bevor es uns bewusst wird? Haben wir keinen freien Willen?

Die neurobiologische Forschung hat inzwischen Entwarnung gegeben. Offenbar kann man das Bereitschaftspotenzial auch messen, wenn es gar keine Bewegung gibt. Denn Experimente zeigten, dass man die Entscheidung zurück ziehen kann, nachdem man sie getroffen hat. Wir sind unserem Gehirn also nicht ausgeliefert, sondern können selbst entscheiden.

Besser vorher tief durchatmen

Stattdessen deuten neue Erkenntnisse darauf hin, dass das gemessene Potenzial eher etwas mit einer inneren Zeitmessung zu tun hat oder von anderen Faktoren bestimmt wird. Damit beschäftigte sich auch eine aktuelle Studie aus der Schweiz, die Anfang Februar im Fachjournal „Nature Communications“ veröffentlicht wurde. Darin untersuchte ein Forscherteam um Hyeong-Dong Park von der École Polytechnique Fédérale de Lausanne (EPFL), ob es einen Zusammenhang zwischen Bewegung, Bereitschaftspotenzial und rhythmischen Körperfunktionen gibt.

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1 Comment

  1. Was für ein Schwachsinn! Entweder hat der Autor des Artikels diese Studie falsch wiedergegeben oder die Autoren unterliegen grundsätzlichen Fehlannahmen.

    Hier ein entlarvender Satz aus vorliegendem Bericht: »Denn Experimente zeigten, dass man die Entscheidung zurück ziehen kann, nachdem man sie getroffen hat. Wir sind unserem Gehirn also nicht ausgeliefert, sondern können selbst entscheiden.«

    Natürlich kann man Entscheidungen zurückziehen und durch eine andere ersetzen. Aber auch das tut unser Gehirn, wer denn sonst? Wir sind in der Tat unserem Gehirn »ausgeliefert«, denn wir sind als Person allein durch unser Gehirn bestimmt. Die Aufspaltung in »Gehirn« und »man« (in obigem zitierten Satz) ist völliger Unsinn.

    Die Hirnforschung sagt uns, dass wir im Gehirn die Welt erleben und erleiden, im Gehirn produzieren wir unsere Wünsche. Unser Gehirn repräsentiert unsere ganz individuelle Persönlichkeit: Erfahrungen, Wissen, Fähigkeiten, Verlangen, Hoffnungen. Und spitzen wir Descartes‘ »Cogito, ergo sum« (Ich denke, also bin ich) zu und wandeln es um in »Ich erleide Schmerz, also existiere ich«, dann beantwortet sich die Frage, was der Mensch ist: Er ist »wesentlich« sein Gehirn! Niemand anderes, keine andere Instanz bildet unseren Willen.

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