Nordkorea und das Coronavirus: Einsam in Pjöngjang


Aus Angst vor dem Coronavirus hat Nordkorea alle Ausländer im Land unter Quarantäne gestellt. Andreas Oswald, Landesdirektor der deutschen Welthungerhilfe in Pjöngjang, erzählt, was das für ihn und seine Mitarbeiter bedeutet.

Friederike Böge | Frankfurter Allgemeine Zeitung

Mit Schutzanzug desinfiziert ein Arbeiter in Pjöngjang einen Straßenbahnwagen Bild: dpa

Aus Angst vor einer Ausbreitung des Coronavirus ergreift Nordkorea drastische Maßnahmen. Seit dem 31. Januar stehen alle Ausländer im Land unter Quarantäne. Das gilt auch für die beiden deutschen Mitarbeiter der Welthungerhilfe in Pjöngjang. Während Landesdirektor Andreas Oswald sich zwar nicht mehr zu Fuß in der Stadt bewegen, aber immerhin noch mit dem Auto zwischen Büro und Wohnung hin- und herfahren darf, müssen seine zehn koreanischen Mitarbeiter im Büro der Hilfsorganisation auf notdürftig herbeigeschafften Matratzen campieren. „Für sie ist es besonders schwer, weil sie ihre Familien nicht sehen können“, berichtet Oswald am Telefon. Unter ihnen sind auch Frauen mit Kindern, die nun von den Großeltern betreut werden müssen.

Wie lange die Quarantäne noch gelten soll, weiß Oswald nicht. Offiziell läuft sie am Sonntag nach 30 Tagen aus. „Wir warten stündlich darauf, dass man uns mitteilt, was dann passiert. Alle hoffen, dass es vorbei ist.“ Sicher ist das aber nicht. In Pjöngjang kursieren Berichte, wonach die Einschränkungen um mehrere Monate verlängert werden sollen. Schon Mitte Februar wurde die Quarantänezeit kurz vor ihrem Ablauf kurzerhand verlängert. „Wenn man Pech hat, sitzt man richtig fest“, sagt Oswald.

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