Die Domestikation der Pflanze verlief nicht einseitig, sondern veränderte auch den Menschen

Bild von Deborah Breen Whiting auf Pixabay

Der Ackerbau ist die Grundlage unserer heutigen arbeitsteiligen Gesellschaft. Er beruht auf alten Kulturpraktiken, ist aber auch das Resultat der gemeinsamen Evolution von Mensch und Pflanze.

Lena Bueche | Neue Zürcher Zeitung

Um seinen Hunger zu stillen, baut der Mensch Feldfrüchte an. Er sät, erntet, behält einen Teil der Ernte für die nächste Aussaat zurück. Das nützt nicht nur ihm; er erbringt damit auch der Pflanze eine exklusive Dienstleistung, sorgt er doch dafür, dass ihre Samen überleben, keimen und die nächste Generation sichern.

Von diesem Service konnten die wilden Vorfahren der Kulturpflanzen noch nicht profitieren. Um ihre Samen auszubreiten, mussten sie auf andere Strategien zurückgreifen. Getreide und Hülsenfrüchte zum Beispiel nutzen die Schwerkraft: Sobald die Samen reif sind, fallen sie zu Boden. Wilde Gerste oder Weizen etwa haben Ähren, deren Achsen Sollbruchstellen aufweisen; so können sich die Körner einzeln ablösen. Bei Bohnen, Erbsen und Linsen öffnen sich die Hülsen, sobald es trocken ist, und die runden Samen kullern heraus.

Diese Strategie büsst ihren Nutzen ein, sobald der Mensch beginnt, Wildpflanzen zu kultivieren: Wo die Samen schon vor der Ernte abfallen, gibt es nichts zu ernten. Deshalb veränderten sich im Lauf der Domestikation zunächst jene Eigenschaften, die die Ausbreitung der Samen betreffen.

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