Schocktherapie in Zeiten der Krankheit


In den letzten Tagen konnte man den Eindruck haben, die Pest wäre unter Bedingungen der Massenkommunikation nach Europa zurückgekehrt. Im Stundentakt werden wir über die neuen Ansteckungsfälle des Corona-Virus informiert.

Peter Nowak | TELEPOLIS

Temperaturkontrolle am Flughafen Bologna. Bild: Dipartimento Protezione Civile/CC BY-2.0

Vor allem Ärztinnen und Ärzte sehen in dieser Art der Berichterstattung eine größere Gefahr für die Menschen, als sie der Virus selber darstellen könnte. So warnte eine Ärztin in einer Deutschlandfunksendung zum Thema „Die Medien und der Virus“ eindrücklich von der Art der Berichterstattung, die suggeriert, hier komme eine ganz gefährliche Krankheit auf uns zu. „Es ist nur eine Grippe und nicht die gefährlichste“, betonte sie mehrmals. Sie ist mit dieser Position nicht allein.

Viele medizinische Fachleute warnen vor den Folgen einer Medienberichterstattung, die vielen Menschen Angst macht. Schon sind regressive Handlungen bekannt wie in der Ukraine, wo in mehreren Orten Rückkehrer aus China gewaltsam gehindert werden sollten, in ihre Heimat zurückkehren. In NRW bekam ein Ehepaar Todesdrohungen weil es beschuldigt wird, erkältet auf einer Karnevalsveranstaltung gewesen zu sein und den Corona-Virus übertragen zu haben. Ärzte und Politiker mussten daran erinnern, dass es sich hier nicht um Schwerverbrecher handelt, sondern um Menschen, die erkältet an einer Faschingsveranstaltung teilgenommen haben.

Schocktherapie Corona

Die Frage ist, was der ständige mediale Overkill zum Corona-Virus bewirkt? Es wird an die Schocktherapie erinnert, wie sie Naomi Klein analysierte. In Krisen- und Notstandssituationen kann man eine Politik durchsetzen, die sonst durch Proteste der Bevölkerung blockiert würde. Das bedeutet natürlich nicht, dass die Epidemie intendiert war, wie manche Verschwörungstheoretiker behaupten. Es wird vielmehr die Gelegenheit genutzt, den Notstand zu inszenieren und damit autoritäre Politiken auszuprobieren.

Man braucht nur an die Zeit des Hurrikans Katrina in New Orleans erinnern, wo die Folgen der Naturkatastrophe erst einmal eine Welle von Solidarität hervorgebracht haben, weil die staatlichen Instanzen vor allem die arme Bevölkerung ihren eigenen Schicksal überlassen haben. Von heute aus gesehen haben die Immobilienkonzerne dafür gesorgt, dass viele der ursprünglichen Bewohner nicht mehr in ihre früheren Wohngegenden zurückkehren konnten. Da hat nicht die Naturkatastrophe, sondern der Umgang der Staatsapparate damit, dafür gesorgt, dass ganze Stadtteile heute von der armen Bevölkerung „frei“ und so der Gentrifizierung überlassen wurden.

weiterlesen