Man muss sich in der Kirche über Pfarrer beschweren können


Wenn sie wollten, könnten Pfarrer machen, was sie wollen. Denn Beschwerden über Fehlverhalten führen oft ins Leere, kommentiert Pater Klaus Mertes. Deshalb brauche die Kirche unabhängige Beschwerdestellen.

Klaus Mertes | katholisch.de

Eine ehrenamtlich engagierte Frau aus einer Gemeinde sagte mir kürzlich: „Die Kommunionmütter nehmen an Präventionskursen teil, und die Pfarrer machen, was sie wollen.“ Das ist natürlich eine überspitzte Formulierung. Sicherlich trifft sie für die Mehrheit der Pfarrer nicht zu. Aber diejenigen Pfarrer, die machen wollen, was sie wollen, können das auch tun, wenn sie es so wollen: Beschlüsse übergehen, Dialog verweigern, Prozesse torpedieren, Handkommunion erschweren, Mädchen von Altardienst vertreiben, Jugendliche anbaggern, Andersdenkenden die Katholizität absprechen, sich selbst feiern, und so weiter.

Es gibt Verhaltensweisen, die gegen eine Kultur der Achtsamkeit verstoßen, und die zugleich noch keine Verbrechen sind: Grenzverletzungen und Übergriffe auf der Ebene der Sprache (auch der Körpersprache), die ganz klar „nicht gehen“. Sie entziehen sich einem Beschwerdemanagement, das auf den sexuellen Missbrauch im vollen Sinne des Wortes konzentriert ist. Deswegen machen so viele Betroffene in den Gemeinden die Erfahrung, dass ihre Beschwerden über grenzverletzendes Verhalten vergeblich sind. Sie hören dann Sätze wie: „Ja, das ist schlimm, aber da können wir leider nichts machen.“

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