Pentagon führte demonstrativ Atomkriegssimulation durch


Das Szenario passt zur neuen Nuklearen Doktrin eines „begrenzten“ Einsatzes mit Mini-Nukes: Russischer Angriff mit einer taktischen Atomwaffe auf ein Nato-Ziel wird von den USA mit einer ebensolchen beantwortet

Florian Rötzer | TELEPOLIS

Test einer Minuteman-Interkontinentalrakete am 5. Februar. Bild: Stratcom

Die USA rüsten mit ihrem gigantischen Militärbudget (Militärisch bleiben die USA mit weitem Abstand Supermacht ) nicht nur die nuklearen Streitkräfte auf und statten sie mit neuen Atombomben aus, das Pentagon unter Präsident Donald Trump hat auch die Doktrin der strikten Abschreckung verlassen und setzt auf einen „flexiblen“ Einsatz. Ein U-Boot wurde bereits mit den ersten neuen taktischen Mini-Atombomben W76-2 ausgerüstet. Sie sollen nach der Nuklearen Doktrin einen Einsatz von Atomwaffen ermöglichen, der unterhalb der Schwelle eines Atomkriegs bleibt. Explizit geht es in dem öffentlichen Teil des Nuclear Posture Review (NPR 2018) auch um die Abschreckung von „nicht-nuklearer Aggression“, also um den Einsatz von Atomwaffen, ohne mit Atomwaffen angegriffen worden zu sein, das Grundprinzip des Gleichgewichts des Schreckens.

Wie vor kurzem zu erfahren war, haben sich die US-Streitkräfte auf einen möglichen Atomkrieg mit solchen Mini-Nukes vorbereitet. War Games dieser Art sind natürlich gewohnte Praxis, um sie auf den Ernstfall vorzubereiten und neue Strategien zu testen. Angesichts des längst wieder ausgebrochenen nuklearen Wettrüstens und der realistischen Möglichkeit, dass die USA nach Beendigung des INF-Abkommens zur Begrenzung landgestützter Mittelstreckenraketen auch das New-START-Abkommen aufkündigen werden, das die Zahl der Atomsprengköpfe auf Trägersystemen und die der Langstreckenraketen reduzieren sollte, steht eine solche Übung im Hauptquartier des Strategischen Kommandos angesichts der eskalierenden Konflikte vor allem zwischen den USA, Russland und China in einem bedrohlichen Kontext.

Davor waren demonstrativ Tests des strategischen Arsenals mit Bombern des Typs B-52H Stratofortress, Interkontinentalraketen und dem Abschuss einer unbewaffneten Trident-Rakete von einem U-Boot ausgeführt worden. Damit sollte auch die Einsatzbereitschaft der neuen Command and Control Facility (C2F) bestätigt werden.

Zumal normalerweise der Verteidigungsminister nicht an solchen War Games teilnimmt, was aber dieses Mal der Fall war, da Mark Esper bei der „Mini-Übung“ mitmachte – und das Pentagon, anders als sonst, dies auch kundgab. Man wollte also auf die Übung aufmerksam machen. Esper habe einen Eindruck gewonnen, wie eine begrenzte Nuklearkriegsführung vonstattengeht. Vor allem dürfte es aber darum gegangen sein, für die Notwendigkeit der Ausgaben im vorgelegten Pentagon-Haushalt für 2021 zu werden, der vom Kongress verabschiedet wird.

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