Homo erectus: Vielseitiger als gedacht


Der Homo erectus hat fast eineinhalb Millionen Jahre lang die Geschichte unserer Vorfahren geprägt, dennoch gibt dieser Frühmensch noch immer einige Rätsel auf. Jetzt werfen zwei neue Funde von Homo-erectus-Fossilien in Äthiopien ein ganz neues Licht auf seine anatomische Vielfalt und die Entwicklung seiner Werkzeugtechnologie. Die beiden in wenigen Kilometern Abstand gefundenen Schädel weichen in Größe und Robustheit stark voneinander ab – was für deutliche Geschlechtsunterschiede oder andere innerartliche Variationen spricht. Gleichzeitig belegen Funde von Steinwerkzeugen, dass diese Frühmenschen offenbar primitive und fortgeschrittene Techniken gleichzeitig nutzten.

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Neuentdeckter Homo-erectus-Schädel (DAN5) (Bild: Michael J. Rogers/ Southern Connecticut State University)

Der Homo erectus war der erste Frühmensch, der Afrika verließ und bis ins ferne Südostasien vordrang. Fossilfunde belegen, dass er bereits vor rund 1,8 Millionen Jahren in Georgien lebte und vor gut 1,6 Millionen Jahren auf der Insel Java vorkam. Dort hielt sich seine Art fast eineinhalb Millionen Jahre lang bis vor gut 100.000 Jahren. Seinen Erfolg verdankte dieser Frühmensch wahrscheinlich gleich mehreren technologischen Neuerungen: Er könnte der erste unter unseren Vorfahren gewesen sein, der regelmäßig Feuer nutzte. Zudem entwickelte er als erster komplexe Steinwerkzeuge des sogenannten Acheuléen-Stils. Seine Vorgänger und auch die ersten Vertreter seiner Art bearbeiteten Steine nur einseitig und mit wenigen Schlägen. Das Ergebnis waren die einfachen Geröllgeräte der Oldowan-Kultur, die sich nur wenig von unbearbeiteten Steinbrocken unterschieden. Anders dagegen bei den Werkzeugen des Acheuléen: Sie waren beidseits so abgeschlagen, dass Faustkeile und rechteckige Schneidgeräte mit scharfen Kanten entstanden.

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