Rechtsextreme beim KSK: Mehr als Einzelfälle?


Spätestens seit dem Fall des Oberleutnants Franco A. schaut die Bundeswehr bei rechtsextremen Tendenzen genauer hin. Bislang war von Einzelfällen die Rede. Solche sind es laut jüngster Zahlen immer noch. Aber es werden mehr.

Peter Carstens | Frankfurter Allgemeine Zeitung

Bundeswehrsoldaten der Eliteeinheit Kommando Spezialkräfte (KSK) trainieren im März 2017 in Magdeburg den Häuserkampf und eine Geiselbefreiung. Bild: dpa

Ein Offizier als Rechtsterrorist, Netzwerke von Preppern und Extremisten mit Verbindungen zum Kommando Spezialkräfte? Reservisten auf Abwegen in den braunen Sumpf, ungeklärte Waffen- und Munitionsverluste – die Bundeswehr schaut spätestens seit dem Fall des Oberleutnants Franco A. genauer hin, ohne dabei die Truppe als Ganzes in Verruf zu bringen. Bislang war deswegen stets von Einzelfällen die Rede. Und solche sind es auch noch immer, wie die jüngsten Zahlen eines internen Berichts des Verteidigungsministeriums zeigen. Allerdings: Es werden mehr.

Insgesamt gab es in der Bundeswehr im vergangenen Jahr 743 Verdachtsfälle von politischem Extremismus, wobei 363 neu hinzugekommen waren. Neben den 592 Fällen im Bereich Rechtsextremismus gab es auch 69 Fälle, wo Soldatinnen oder Soldaten in den Verdacht gerieten, dem islamistischen Extremismus nahezustehen. In elf Fällen ging der Militärische Abschirmdienst dem Verdacht nach, die Betreffenden seien linksextrem eingestellt. Insgesamt wurden 49 Bundeswehrangehörige aus dem Dienst entlassen, mehr als neunzig Prozent davon wegen Rechtsextremismus. Aus der internen Untersuchung, die dieser Zeitung vorliegt, geht hervor, das die überwiegende Mehrheit der Entlassenen von niedrigem Dienst- und Bildungsgrad war. Allerdings sind auch 14 Unteroffiziere und sechs Offiziere „aufgrund rechtsextremistischer Verfehlungen“ entlassen worden. Das ist eine Steigerung gegenüber dem Vorjahr. Bei 184000 Soldaten und rund 80000 Zivilbeschäftigten kann allerdings auch festgehalten werden, dass nur eine winzige Minderheit in der Truppe als rechtsextrem auffällt.

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