Bernhard Pörksen: „Die maximale Fehlerintoleranz ist selbst ein Riesenfehler“


Kommunikation in hitziger Stimmung: Der Medienwissenschaftler Bernhard Pörksen plädiert für eine großzügigere Gelassenheit, erinnert aber auch daran, dass es kein Menschenrecht auf Applaus gibt.

Joachim Frank | Frankfurter Rundschau

Herr Professor Pörksen, glauben Sie noch an das Gelingen von Kommunikation und Dialog?

Unbedingt. Aber das ist keine Frage des Glaubens, sondern schlicht eine Entscheidung. Ungeachtet von Verwilderung, Verpöbelung, Aggression und Hass sind Demokraten zu einem Minimum an Diskursoptimismus verpflichtet, speziell wenn sie – so wie ich – in einer Universität arbeiten, einem Ort des Arguments, der Debatte. Wir müssen von der Mündigkeit des Gegenübers ausgehen und damit vom gelingenden Gespräch.

Aber wie wollen Sie mit Menschen wie Tobias R., dem Mörder von Hanau, reden?

Gar nicht. Natürlich gibt es Extremisten und Gewalttäter, mit denen man nicht sprechen kann. Sie sind ein Fall für den Verfassungsschutz und für die Polizei. Aber wir dürfen die Möglichkeit des Gesprächs und die Chance eines gelingenden Austausches nicht durch die Fixierung auf das entsetzliche Extrem zerstören. Denn das hieße: aufzugeben, den Feinden der Freiheit die Arena zu überlassen.

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