„Die Jungen werden zu den Wächtern der Mädchen“


Das Kopftuch sorgt für Konflikte an Schulen. Ein neues Gutachten könnte den Weg zu einem flächendeckenden Verbot weisen

Franziska von Haaren | WELT

Wenn ich kein Kopftuch trage, komme ich in die Hölle.“ Es sind solche Sätze, die Julia Wöllenstein immer wieder zu hören bekommt. Sie ist Lehrerin an einer Gesamtschule in Kassel und unterrichtet evangelische Religion, Englisch und Darstellendes Spiel. Viele ihrer Schülerinnen und Schüler haben einen muslimischen Hintergrund.

Aus Gesprächen mit Schülerinnen erfahre sie häufig, dass das Kopftuch nicht immer freiwillig getragen werde. Manche Mädchen suchten Hilfe, wenn sie kein Kopftuch anziehen möchten. Als Lehrerin seien ihr aber die Hände gebunden. Sorgen mache sie sich auch um muslimische Mädchen, die kein Kopftuch tragen. Viele stünden in Schulen unter enormem Druck, weil ihnen vor allem von muslimischen Jungen das Gefühl vermittelt werde, sie wären keine guten Muslima – sondern Schlampen. „So entsteht eine Polarisierung der Geschlechter, bei dem die Jungen zu den Wächtern der Mädchen werden.“

Einen Großteil dieser Konflikte könnte möglicherweise ein Kopftuchverbot für Minderjährige unter 14 Jahren lösen. Doch ist ein solches Verbot überhaupt zulässig, also mit dem Grundgesetz vereinbar? Und in wessen Zuständigkeit fällt die Anordnung eines solchen Verbots?

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