Frauentagsführung für Männer: Shopping und Säbelzahntiger


Immer schon so gewesen? Die Archäologin Tosca Friedrich kratzt an angeblich unumstößlichen Geschlechterklischees.

Alexander Diehl | taz

Auch Werner (r.) shoppt: Teilnehmer*innen eines Camps im Steinzeitpark Albersdorf Foto: Carsten Rehder/dpa

Ist schlechtes Einparken mit der Steinzeit erklärbar? Wenn es nicht gleich die Evolutionsbiologie ist, dann muss gerne die Archäologie herhalten: zur Rechtfertigung angeblich immer schon so gewesener Unterschiede zwischen den Geschlechtern. „Sagen wir: Da kommt eine 5. Klasse zu uns“, erzählt Tosca Friedrich, Leiterin des Bereichs Bildung und Vermittlung am Oldenburger Museum Natur und Mensch. „Dann frage ich: ‚Wie haben die Menschen in der Steinzeit gelebt?‘. Die Kinder melden sich und sagen: ‚Die Männer sind auf die Jagd gegangen, die Frauen haben gesammelt.‘“

Das sei, was sie in der Schule beigebracht bekommen, was in ihren Steinzeit-Bilderbüchern zu sehen ist. Aber im Fach, der Archäologie, sei es „längst nicht mehr gang und gäbe“, so Friedrich. „Dass etwa die Frauen nicht hätten jagen dürfen: totaler Blödsinn. Dass aber Kinder das noch beigebracht bekommen – das erschüttert mich. Das ist ja eigentlich ein Weltbild aus den 1950er-Jahren.“

Die Frauen haben genäht, während die Kerle Keulen schwingend jagten: Aus derlei Pseudo-Gewissheiten leiten Interessierte bis heute angeblich unterschiedliche Eignungen von Männern und Frauen ab.

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