Historiker Wolf zur Öffnung der Vatikanarchive Pius‘ XII.: „Moralische Versprechen, saubere Arbeit zu machen“


Die Vatikan-Archive zu Pius XII. sind geöffnet. Der Münsteraner Kirchenhistoriker Hubert Wolf und sein Team gehören zu den ersten, die das neue Material sichten. Im Interview äußert sich Wolf über falsche Erwartungen und mögliche Überraschungen.

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KNA: Sie kommen mit sieben Leuten nach Rom. Wie gehen Sie Ihre Arbeit an?

Prof. Hubert Wolf (Kirchenhistoriker): Zunächst versuchen wir uns klarzumachen, nach welchem System die Akten unter Pius XII. (1939-1958) geordnet wurden. Haben sich im Vergleich zum Pontifikat Pius‘ XI. die Ablageprinzipien, die wir sehr genau kennen, geändert? Da Pius XII. die meiste Zeit ohne Staatssekretär regierte, könnte das der Fall sein. Das nimmt sicher etwas Zeit in Anspruch. Anschließend wissen wir aber hoffentlich, welche unserer Fragen wir mit welchen Beständen beantworten können.

KNA: Wie sähe so eine Frage aus?

Wolf: Ein Beispiel: Was kommt aus der Nuntiatur in der Schweiz? Wie und von wem wird die Botschaft des Papstes in einem neutralen Land benutzt? Wenn ein Nuntius etwas schreibt, müssen wir aus dem Apostolischen Archiv ins Archiv des Staatssekretariats hinüber, in dem die Korrespondenz mit den Nuntiaturen liegt. Und wenn jemand fordert, Hitler zu exkommunizieren, müssen wir ins Archiv der Glaubenskongregation. Kommen amerikanische Kirchenleute ins Spiel, müssen wir für die damalige Zeit ins Archiv der Propaganda Fide, der heutigen Kongregation für die Evangelisierung der Völker [Missionskongregation, d. Red.]. Als Team werden wir uns aufteilen und abends über das austauschen, was wir gefunden haben.

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