Politische Querelen in Kabul gefährden den Friedensprozess


Zwei Tage vor dem geplanten Beginn der Friedensgespräche zwischen der afghanischen Führung und den Taliban in Oslo gibt es keine funktionstüchtige Regierung. Derweil wird das Land von neuer Gewalt erschüttert.

Ulrike Putz | Neue Zürcher Zeitung

Noch bevor die Opfer des Anschlags in Kabul von Freitag zu Grabe getragen waren, wurde Afghanistan von neuer Gewalt erschüttert. Omar Sobhani / Reuters

Ein hitziger innenpolitischer Streit droht den gerade erst angebahnten Friedensprozess in Afghanistan zum Entgleisen zu bringen. Nur eine Woche nach der Unterzeichnung eines «Abkommens zum Frieden» durch die USA und die Taliban und nur zwei Tage vor dem Start von innerafghanischen Friedensgesprächen zwischen den Islamisten und der Regierung spitzte sich die Situation in Kabul am Sonntag erneut zu. Sowohl der unter fragwürdigen Bedingungen wiedergewählte Präsident Ashraf Ghani als auch sein Erzrivale Abdullah Abdullah wollten sich am Montag zum Präsidenten vereidigen lassen.

Im Februar hatte die afghanische Wahlkommission Ghani zum Sieger der Präsidentschaftswahl im September erklärt. Abdullah jedoch beharrt darauf, dass in Wahrheit er und seine Verbündeten die Wahlen gewonnen hätten. Schon bei den vorherigen Wahlen hatte es zwischen Ghani und Abdullah Streit um das Ergebnis gegeben. Der ehemalige Außenminister Abdullah hatte daraufhin den eigens geschaffenen Posten des «Amtierenden Regierungschefs» erhalten.

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