Was weiß ein Bot?


Wie steht es um die Psyche und die soziale Welt von Bots (= Robotern)? Bisher kann der Mensch die Bot-Psyche beeinflussen; aber bald gilt wohl auch das Umgekehrte

Wolfgang Balzer | TELEPOLIS

Im Moment besitzen die wenigsten Menschen einen Bot.1 Das wird sich aber sicher ändern. Die Menschen in Massengesellschaften werden einsamer. Sie leben zunehmend in ihrer Internetwelt. In einigen Gesellschaften legen sich immer mehr alte Leute einen Bot zu, wenn sie es sich leisten können. Junge Leute halten im Moment in solchen Gesellschaften lieber ein Haustier. Auch dies könnte sich ändern. Bots werden billiger und sind bis jetzt einfacher zu halten als Tiere. In der ursprünglichen Bedeutung war ein Bot einfach ein ‚Arbeitsknecht‘. Inzwischen gibt es viele Arten von Bots, die in verschiedenen Anwendungen eingesetzt werden (Baumunk, 2007). Es gibt zum Beispiel Bots für Warenproduktion, für Autosteuerung, für Pflege von Alten oder für Tötungsmaschinen.

Ein Bot ist ein künstliches Wesen, das viele menschliche Eigenschaften und Fähigkeiten besitzt und viele Beziehungen zu Menschen und anderen Dingen aufbauen und unterhalten kann. Ich möchte hier erkunden, was ein Bot, der zum menschlichen, ‚praktischen‘ Zusammenleben geeignet ist, weiß.

Körper des Bots

Der Bot hat Sensoren, ‚Sinnesorgane‘. Er kann ähnlich wie ein Mensch sehen, hören und tasten. Riechen und schmecken kann er bis jetzt kaum. Er ist von auÿen gesehen einem Menschen oft ähnlich. Er hat einen Leib, zwei Beine, zwei Arme, zwei Hände, einen Kopf, zwei Augen, einen Mund und zwei Ohren. Die Hersteller können den Bot so gestalten, dass er einer lebenden Person sehr ähnlich sieht.

Der Bot kann aufrecht gehen und auch laufen, allerdings tut er beides noch etwas ungelenk. Auch seine Hände und Arme bewegt er (noch) nicht wirklich elegant. Er kann weder essen, verdauen, noch in natürlicher Weise schlafen. Im Bot können keine Lebensmittel, die für Menschen geeignet sind, in Bewegung umgesetzt werden. Die menschlichen Prozesse des Essens und Verdauens funktionieren beim Bot anders. Der Bot wird mit elektrischer Energie ‚gefüttert‘, die er in seine Batterien lädt. In seinem Körper wird Energie mit Elektromotoren in Bewegung umgewandelt. Ein Bot braucht nicht zu schlafen und ohne Schlaf vergisst er nichts – es sein denn, dass er etwas vergessen soll.

Wenn eine seiner Batterien leer ist, können bestimmte Bewegungen abrupt zum Stillstand kommen. Wenn alle Batterien fast leer sind, wird er meistens noch in den ’stand-by-modus‘ gesetzt. Er ’selbst‘ hat keine Möglichkeit mehr, aktiv zu werden. Während sich der Mensch, jedenfalls im Prinzip, allein ernähren und pflegen kann, braucht der Bot eine ‚Steckdose‘ und einen Eigentümer, der ihn an- und ausschaltet.

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