Coronavirus: Der Versuch der Eindämmung in den USA hat total versagt


Der Präsident versucht, das Problem des Coronavirus kleinzureden. Das Gesundheitssystem ist vielerorts überfordert, und in Wirklichkeit weiss niemand, wie stark sich die neue Krankheit verbreiten wird.

Peter Winkler | Neue Zürcher Zeitung

Präsident Trump besuchte am Freitag die Centers for Disease Control and Prevention (CDC) in Atlanta und trug dabei einen Hut mit seinem Wahlkampfslogan. Hyosub Shin / AP

Jede Zahl ist kaum geschrieben und schon überholt. In den USA zeigt sich ein Muster, das schon aus anderen Staaten bekannt ist, zwar mit etwas Verspätung, aber offensichtlich mit der gleichen Vehemenz. Angeführt von einem Präsidenten, der auf schöne Statistiken und den Börsenkurs fixiert war, versuchte die Regierung Trump zunächst, das Problem kleinzureden. Noch kurz vor dem Wochenende behaupteten zwei enge Berater des Präsidenten, Larry Kudlow und Kellyanne Conway, die Ausbreitung des Coronavirus sei eingedämmt oder man arbeite an deren Eindämmung. Doch am Sonntagmorgen musste der Chef der Lebens- und Arzneimittelbehörde, Scott Gottlieb, öffentlich zugeben: «Die Phase der versuchten Eindämmung ist passé.» Es könne jetzt nur noch um die Linderung der Folgen gehen.

Weitgehend ahnungslos

Laut der Universität Johns Hopkins waren bis am Montagmorgen (Ortszeit) 566 Personen infiziert und 22 gestorben. Damit hat sich die Zahl der überprüften Infektionen übers Wochenende mehr als verdoppelt. Sie wird zweifellos weiter wachsen und vermutlich innert Kürze erheblich nach oben schnellen, da am Montag die Landung von zwei Kreuzfahrtschiffen in Kalifornien und in Florida erwartet wurde. Vor allem die «Grand Princess», die wegen eines Landeverbots mit mehr als 3500 Personen an Bord die letzten Tage vor der kalifornischen Küste kreuzen musste, hat nachweislich Infizierte an Bord. Wie viele, ist unklar, denn wie überall im Land fehlen die Mittel, um grossflächig Tests durchzuführen.

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