Kleriker, die sich hinter dem Rechtsstaat verstecken


Welcher Bischof, Generalvikar oder Personalchef hat geholfen, Missbrauch an Kindern zu ermöglichen? Kardinal Woelki versprach Offenheit. Doch fürs erste obsiegen die potentiellen Mittäter.

Daniel Deckers | Frankfurter Allgemeine Zeitung

Rainer Maria Woelki Bild: dpa

Das Projekt sollte ein Meilenstein auf dem langen Weg der Aufarbeitung der unheilvollen Geschichte sexueller Gewalt in der katholischen Kirche in Deutschland sein: Der Kölner Erzbischof Rainer Maria Woelki selbst wollte in Erfahrung bringen, wer als Bischof, Generalvikar oder Personalchef einst dabei war, als es darum ging, sexuellen Missbrauch von Kindern und Jugendlichen zu ermöglichen, zu vertuschen oder auch zu sanktionieren.

Und anders als unter seinem Münchner Antipoden Reinhard Kardinal Marx, der vor zehn Jahren eine vergleichbare Untersuchung in Auftrag gegeben hatte, sollten in Köln diesmal auch die Betroffenen und die Öffentlichkeit erfahren, wer welche Entscheidungen wie getroffen hat. Doch soweit wird es nicht kommen – jedenfalls nicht so schnell.

Potentielle Mittäter haben die Kölner Bistumsleitung mit juristischen Winkelzügen und Drohungen derart unter Druck gesetzt, dass der fertige Bericht nicht, wie seit Monaten geplant, am Donnerstag veröffentlicht wird. Formaljuristisch mag vielleicht alles mit rechten Dingen zugehen.

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