Höhere Gewalt contra NATO-Manöver


„Derzeit hat die Ausweitung des Coronavirus keine direkten Auswirkungen auf das Übungsgeschehen“ – das ließ die offizielle Bundeswehr-Website im Presse- und Informationszentrum der Streitkräftebasis am 12. März 2020 zum NATO-Manöver Defender-Europe 2020 verlauten, über das Telepolis bereits ausführlich berichtete

Johannes Schillo | TELEPOLIS

Polnische und US-Soldaten am 11.3. auf dem Luftawaffenstützpunkt Ziemsko im Rahmen von DEFENDER-Europe 20. Bild: DoD

Angeblich sind die fünf Bundeswehrkrankenhäuser (in Berlin, Hamburg, Koblenz, Ulm und Westerstede) darauf vorbereitet, mit dem Coronavirus infizierte Militär-Patienten „nach den gültigen Richtlinien in Einzelisolierung behandeln zu können“. Zusätzlich stelle jedes der Bundeswehrkrankenhäuser Plätze „für intensivpflichtig Coronavirus-Erkrankte“ bereit. Wie viele das sind, wird bezeichnender Weise nicht mitgeteilt, doch „sollten diese Kapazitäten aufgrund erhöhter Fallzahlen nicht ausreichen“, heißt es weiter, so lägen „Planungen vor, die eine Betreuung von weiteren Betroffenen ermöglichen. Ebenfalls geregelt sind mögliche personelle Unterstützungen in Spitzenzeiten durch Personal der Sanitätsregimenter.“

Seit Tagen zeichneten sich bereits Rückzugstendenzen ab, die auf ein „Einfrieren“ oder eine Reduktion der geplanten Maßnahmen hinweisen. Am 11. März kamen z.B. die ersten Meldungen, dass wegen der Ausweitung des Coronavirus die USA die Zahl ihrer Soldaten bei der militärischen Großübung auf dem bisher erreichten Stand von 5.500 Personen belassen würden. Der Gesundheitsschutz der eigenen Truppen sowie der Alliierten und Partner habe höchste Bedeutung, teilten die US-Streitkräfte mit; das Manöver werde der Lage angepasst. Der Bundeswehr-kritische Blog „Augen geradeaus!“ brachte dazu nähere Informationen. Vor zwei Tagen erklärte das Pentagon, dass Militärangehörige ab sofort auf nicht unbedingt notwendige Reisen in Coronavirus-Risikogebiete verzichten sollen. Als ein solches Risikogebiet wird nach der jüngsten Aktualisierung der Liste des US-Center for Disease Control auch Deutschland genannt.

Mit den einseitig verhängten Einreiseverboten und der Beschuldigung Europas als Virenquelle, wie sie Trump am folgenden Tag verkündetet, hat sich dies natürlich weiter zugespitzt. Und auf jeden Fall zeigt sich im amerikanischen Vorgehen, was von der Mitteilung der Streitkräftebasis zu halten ist, alle Maßnahmen zum Schutz der Soldaten beim Manöver würden in enger Abstimmung mit den US-Streitkräften erfolgen. Es mag ja sein, dass Generäle hier Absprachen treffen, ihr oberster Chef macht aber gerade klar, dass er rücksichtslos im nationalen Interesse agiert und einseitig Entscheidungen trifft, die mit keinem Verbündeten abgesprochen sind.

Andere Manöver wurden bereits abgesagt, etwa Cold Response in Norwegen. Der Hauptteil der Übung sollte am 12. März starten. Kurz zuvor erklärte jedoch der Leiter des norwegischen Militärhauptquartiers: „Das Virus ist jetzt außer Kontrolle.“ Das Militärpersonal solle nicht zur Ausbreitung des Virus beitragen.

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