Der rätselhafte „Emir der Republik“ in Frankreich


Bei der Lokalwahl könnte erstmals ein Kandidat Bürgermeister werden, dem Nähe zum Islamismus nachgesagt wird. Lokalaugenschein in der tiefsten Pariser Banlieue

Stefan Brändle | DERSTANDARD

Samy Debah präsentiert sich als „Kandidat gegen das System“. Foto: @Picstech

Auf dem Markt Rond-Point sprechen alle von ihm, aber gesehen hat ihn niemand. Es ist Samstagmorgen in Garges-lès-Gonesse, alle Kandidaten verteilen Flugblätter und umwerben die Passanten. Alle außer Samy Debah. Der Kandidat ohne Etikett prangt nur von den Wahlplakaten – mit Anzug und Krawatte, kurz gestutztem, graumeliertem Bart und dem Versprechen eines „echten Wandels“. Mehr nicht. Keine Parteibezeichnung, kein konkreter Programminhalt. Ist Debah ein Islamist? So bezeichnet ihn sein Wahlgegner von 2017, der Sozialist François Pupponi, in einem neuen Buch namens „Die Emirate der Republik“. Darin behauptet der ehemalige Bürgermeister von Sarcelles, einem Nachbarort von Garges-lès-Gonesse, Debah sei einer dieser Emire und praktiziere die „Taqiya“, die Verschleierung. Sie sei den Salafisten ein Gebot, um Ungläubige irrezuführen.

Tatsache ist, dass Debah bei den Parlamentswahlen 2017 stark abgeschnitten hat: Auf den ganzen Wahlkreis gerechnet verlor er zwar gegen Pupponi mit 34,2 Prozent der Stimmen; im Gemeindegebiet von Garges erhielt er aber 55,7 Prozent. Jetzt, bei den Kommunalwahlen, hat er damit gute Chancen, Bürgermeister der Immigranten-Vorstadt im Norden von Paris zu werde