Teile der AfD sind auf dem Niveau der NPD angekommen


Die Öffentlichkeit hat lange genug über radikale AfD-Politiker diskutiert. Das Urteil steht nun fest: Teile der AfD sind auf dem Niveau der NPD angekommen. Das Märchen von der Partei des gesunden Menschenverstands ist auserzählt.

Justus Bender | Frankfurter Allgemeine Zeitung

Björn Höcke, Spitzenkandidat der AfD bei der Landtagswahl in Thüringen, lässt sich am 27. Oktober 2019 bei der Wahlparty der AfD von seinen Anhängern feiern. Bild: dpa

Nennen wir ihn Otto. Otto ist der Schulfreund, den jeder haben könnte, ein Mann, der gern Zoten reißt. Wenn Otto einmal einen politisch unkorrekten Witz macht, lachen seine Freunde mit. Sie wissen doch, dass er nur Spaß macht. Wenn Otto dieselbe Sorte von Witz zwei-, drei-, viermal macht, sagt der Erste: Komm, Otto, jetzt lass es mal gut sein mit den Asylbewerbern, den Muslimen, den Frauen und den Schwulen.

Wenn Otto dann nicht aufhört, sondern immer wieder hässliche Pointen setzt; wenn er Zeitungsartikel herumschickt, die alle die gleichen Vorurteile belegen sollen; wenn er überhaupt völlig besessen scheint von der einen Idee, dann wird Otto in seinem Freundeskreis zu einem Beobachtungsfall. Dann verfliegt die Ambivalenz, hinter der er sich verstecken wollte. Die Möglichkeit, dass es doch nur ein Witz war, ein Artikel, ein Spruch, ein Missverständnis. Dann wird bei Otto ein Weltbild sichtbar.

So war es mit dem extremistischen „Flügel“ der AfD. Verfassungsschützer nennen das Verdichtung. Keine Vereinigung wird wegen den Ausfällen einzelner Irrer verfolgt. Ein Versprecher, eine Andeutung oder ein falsches Argument machen niemanden zum Extremisten.

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