Behördlich angeordnete Epidemie auf einem Schiff


Das Kreuzfahrtschiff «Diamond Princess» sorgte für Schlagzeilen. Die Aufarbeitung der Erkrankungsfälle zeigt nun, wie eine behördliche Zwangsmassnahme eine begrenzte Gesundheitsgefahr aus dem Ruder laufen liess.

Hermann Feldmeier | Neue Zürcher Zeitung

Ein Passagier im Hafen von Yokohama, nachdem er die «Diamond Princess» nach beendigter Quarantäne hat verlassen dürfen. Jae C. Hong / AP

Als das Luxus-Kreuzfahrtschiff «Diamond Princess» am 25. Januar morgens am Pier in Hongkong anlegte, ging auch ein Passagier von Bord, der sich am Abend zuvor nicht wohl gefühlt hatte. Sechs Tage später – das Schiff hatte in der Zwischenzeit Häfen in Thailand, Vietnam und Taiwan angelaufen und war auf Kurs nach Yokohama – wurde bei ihm eine Infektion mit dem neuen Coronavirus Sars-CoV-2 nachgewiesen. Der Kapitän informierte die Hafengesundheitsbehörde in Yokohama beim Einlaufen in die Bucht von Tokio. Diese benachrichtigte das Nationale Institut für Infektionskrankheiten in Tokio.

Mitarbeiter der Behörde kamen an Bord und stellten fest, dass sich auf dem Schiff mindestens 10 Personen mit Sars-CoV-2 infiziert hatten. Die oberste Gesundheitsbehörde entschied daraufhin, die am Quai liegende «Diamond Princess» mit ihren 3711 Passagieren und Besatzungsmitgliedern unter Quarantäne zu stellen. Bei der Dimension des Schiffes eine Seuchenbekämpfungsmassnahme ohne Präzedenz.

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