Coronavirus-Maßnahme: „Bis Basel ist alles dicht, bis Karlsruhe ist alles dicht“


An der französisch-deutschen Grenze auf dem Rückweg nach Deutschland gestrandet – Ein Erlebnisbericht in Zeiten des Seuchen-Notfalls

Olaf Arndt | TELEPOLIS

Blick auf den Hotelparkplatz und die geschlossene Autobahn. Bild: O. Arnst

Wir sitzen in dem etwas betagten Zimmer „Myrrhe“ des Fake-Fachwerk-Hotels „Als“ in Ottmarsheim. „Fake“ heißt, die Fachwerkbalken sind nur aufgemalt. Das „Als“ liegt verkehrsgünstig am Kreisel neben der geschlossenen Total-Tankstelle. Es gibt heute kein Essen, keine Rezeption. Nur ein kontaktfreies Online-Check-in mit einer Codenummer. Wir drücken den Code mit einem Stift auf dem Display, um uns nicht zu infizieren.

Wir befinden uns mitten im Corona-Schwerpunkt-Krisengebiet Grand Est, das durch ein Länder-übergreifendes freikirchliches Treffen besonders schwer betroffen ist. Wir fühlen uns, als würden wir an einem Laborversuch im Rahmen von „Defender 2020“ teilnehmen, bei dem die Toleranz der Bevölkerung gegenüber menschenrechtlichen Zumutungen ausgetestet werden soll.

Hotel, Elsaß, Grenze dicht. Das ist so ziemlich exakt das, was wir komplett vermeiden wollten. Nun sind wir kaserniert in einem Zimmer unter einem Digitaldruck-Ölbild des „Alten Strasbourg“. Neben uns im Zimmer hocken ganz höchst wahrscheinlich, wenn man den Medien noch irgendeinen Glauben schenken darf, auf allen unbelebten Gegenständen Viren, die mindestens neun Tage dort aktiv bleiben.

Aber es gab keine Wahl. Wir hatten eine Autopanne direkt vor der Grenze. Motorschaden. Keine Chance, sich in die Schlange in Strasbourg anzustellen, wo angeblich die Grenze noch offen ist.

Hier ist jedenfalls alles dicht: die Autobahn, die kleine Rheinbrücke in Chalampe. Eine Gruppe Freiburger, die neben uns stecken geblieben ist auf dem Parkplatz der aufgegebenen Feuerwehr, holt ihre Mountainbikes aus dem gigantischen Super-WoMo „Concorde“. „Wir versuchen es mal so rüberzukommen. Bis Basel ist alles dicht, bis Karlsruhe ist alles dicht.“ Das ist, was man so zu hören bekommt, während etwa 500 Wohnmobile mit deutschen Kennzeichen an uns vorbei die Rheinuferstraße entlang nach Norden streben. Das erste Mal in unserem Leben begreifen wir ganz handnah und praktisch – rein angesichts dieser endlosen hektisch manövrierenden Fahrzeugkette, von der einzelne Wagen immer wieder auch in die Gegenrichtung auftauchen -, was ein echter Notstand ist.

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