Das Beichtgeheimnis unter Druck


Nach einer Beichte müssen Priester über das Gehörte schweigen – so will es die Kirche. Doch in Zeiten von Missbrauch wollen Gesetzgeber in einigen Ländern das Beichtgeheimnis beschneiden. Damit steht ein zentrales Sakrament mit absoluter Vertraulichkeit in Frage.

Christoph Paul Hartmann | katholisch.de

Es sind schwere Zeiten für das Beichtgeheimnis: Die absolute Vertraulichkeit des Gesprächs zwischen Priester und Beichtendem wird in Zeiten des Missbrauchs teilweise massiv kritisiert. Täter könnten sich bei der Beichte ohne Bedenken von ihrer Schuld reinwaschen und ungestört weitermachen. Deshalb hat etwa der australische Hauptstadtbezirk Canberra Priester verpflichtet, in der Beichte erfahrene Missbrauchsfälle zu melden – andere Landesteile sind bereits nachgezogen. Auch in weiteren Ländern stehen solche Regelungen zur Diskussion – begleitet von Protest aus den Reihen der Bischöfe.

Dass es das Beichtgeheimnis überhaupt gibt, hat mit dem lehramtlichen Verständnis der Beichte und deren Geschichte zu tun. Bis in das frühe Mittelalter hinein ist die Buße eine öffentliche Angelegenheit. Sünder bekennen ihre Vergehen vor der Gemeinschaft – allerdings bestimmte diese auch, wie oft Buße geleistet werden darf. Zum Teil darf ein Mensch nur einmal in seinem Leben in den „Stand der Büßer“ treten.

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