Merkur macht sein Eis selbst


Es scheint geradezu paradox: Ausgerechnet auf dem von der nahen Sonne aufgeheizten Planeten Merkur gibt es Wassereis. Dieses Eis hält sich im tiefen Dauerschatten einiger polarer Krater. Bisher galten vor allem Meteoriteneinschläge als mögliche Lieferanten dieser Eisvorkommen, doch nun haben Forscher eine andere Erklärung gefunden. Demnach könnte der Sonnenwind, kombiniert mit der Hitze der Merkur-Tagseite, chemische Reaktionen im Regolith auslösen, die zur Bildung von Wassermolekülen führen. Diese Wassermoleküle könnten dann als Wasserdampf um den Planeten driften und sich in den kalten Kratern der Pole als Eis niederschlagen.

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Merkur-Nordpol mit gelb markierten Wassereis-Vorkommen. (Bild: NASA/ MESSENGER)

Der Merkur ist ein Planet der Extreme: Während auf seiner Tagseite eine Hitze von mehr als 400 Grad Celsius herrscht, sinken die Temperaturen auf seiner Nachtseite auf eisige minus 180 Grad. Weil eine ausgleichende Atmosphäre fehlt, wechseln die Bedingungen je nach Strahlungseinfall drastisch – ähnlich wie auf dem Mond. Und ähnlich wie auf unserem Trabanten galt die Existenz von Wasser oder Wassereis auf dem Merkur lange Zeit als unmöglich. Doch bereits 1991 entdeckten Forscher bei radargestützten Beobachtungen der Merkuroberfläche einige stark reflektierende Bereiche in der Nähe der Pole – Signaturen, die auf Wassereisvorkommen hindeuten könnten. Im Jahr 2012 lieferte die NASA-Raumsonde Messenger die Bestätigung: In einigen Kratern der Polarregion des Planeten gibt es Wassereis, das teilweise von einer dünnen Staubschicht überdeckt ist. Dieses Eisvorkommen finden sich an Stellen, die nie von der Sonne beschienen werden und in denen die Temperaturen daher ständig weit unter Null liegen.

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