Operation Rubikon


Normalerweise lautet das journalistische Narrativ über den BND, dass dieser in erster Linie Misserfolge und Skandale produziere. So galt die Aufklärung durch menschliche Quellen wie Geheimagenten gegen die Staaten der Sowjetunion als ausgesprochen schwach.

Markus Kompa | TELEPOLIS

Bild: Rubikon/ZDF

Umgekehrt gelang den östlichen Diensten das Platzieren von Doppelagenten im BND, so dass der große Bruder CIA die deutschen „Pfadfinder“ nur noch bedingt an Erkenntnissen teilhaben ließ – so die Legende. Die technische Aufklärung des BND hingegen genoss einen ausgezeichneten Ruf, das Material machte rund 50% des Informationsaufkommens aus und galt als zuverlässig.

Wie nunmehr im Februar ein Rechercheteam aus Journalisten des ZDF, des Schweizer Rundfunks sowie der Washington Post enthüllte, beruhten die Erfolge des BND-Abhörens auf Konspiration mit dem Weltmarktführer für Chiffriergeräte. Das langfristige Geheimprogramm, an welchem der BND beteiligt war, bewerten namhafte Geheimdiensthistoriker sogar schmeichelhaft als den größten Spionage-Coup des 20. Jahrhunderts: die CIA-Operation MINERVA, deutsche Bezeichnung RUBIKON.

Bereits bei den einst gegnerischen Vorgängern von CIA und BND hatte Verschlüsselungstechnik im Zweiten Weltkrieg eine gewichtige Rolle gespielt: Das deutsche Chiffriergerät Enigma schloss lange die westlichen Lauscher durch zuverlässig verschlüsselte Fernkommunikation aus. Als dann den Briten der Einbruch in die vermeintlich unknackbare Enigma gelang und dieser den Krieg entscheidend verkürzte, galt den Beteiligten der Ertrag als so wertvoll, dass sie diesen Vorsprung fast drei Jahrzehnte lang als größtes Staatsgeheimnis bewahrten. Die britischen und US-amerikanischen Strategen verschwiegen ihr Geheimnis auch der eigentlich verbündeten Roten Armee, der man unnötige Verluste gegen Nazi-Deutschland hätte ersparen können.

Nach dem Krieg überließen die Briten den Israelis die tatsächlich geknackte Enigma, doch das Danaergeschenk wurde gewittert. Man musste sich also etwas Neues einfallen lassen, um Gegnern unsichere Kryptierverfahren unterzujubeln.

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