Gott liebt die Enthaltsamen – angeblich


Katholische Priester verpflichten sich zu Keuschheit und Ehelosigkeit. Dieses Versprechen wird beharrlich kritisiert – und ebenso beharrlich verteidigt. In den Begründungen des Zölibats erweist sich die Kirche als erfinderisch.

Mechthild Klein | Deutschlandfunk

Das Ideal der Keuschheit. Gott liebt die Enthaltsamen. (Laia Abril / Galerie Les filles du calvaire)

„Wir Priester und Leviten werden allesamt durch das unauflösliche Gesetz dieser Strafbestimmungen verpflichtet, dass wir vom Tag unserer Ordination an unsere Herzen und Körper der Enthaltsamkeit und Keuschheit hingeben, wenn wir in allem unserem Gott bei den Opfern gefallen, die wir täglich darbringen.“ (HW, Zölibat, S. 20)

Das verkündete Papst Siricius im Jahre 385. Bis es verbindlich wurde, dauert es noch einige Jahrhunderte. Meistens wird die Zölibatspflicht auf das Jahr 1139 datiert, dem Jahr des Zweiten Laterankonzils. Kirchenhistoriker wie Hubert Wolf arbeiten hingegen heraus, dass Ehe und Priesterweihe erst 1917 mit dem ersten kirchrechtlichen Codex, dem CIC, definitiv unvereinbar wurden.

Die Begründungen für den Zölibat änderten sich im Laufe der Jahrhunderte. Zunächst spielte die Sorge ums Erbe eine Rolle, dann gewannen theologische Begründungen an Gewicht. Zwei Gedanken sind zentral. Zum einen: Jesus habe zölibatär gelebt. Und zum anderen: Priester müssten nicht nur ehelos leben, sondern auf jegliche Sexualität verzichten, damit sie kultisch so rein werden wie die Engel im Himmel.

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