Welche Fakten der Corona-Verharmloser Wolfgang Wodarg verkennt


Im Internet kursiert ein Video, in dem der Lungenarzt Wolfgang Wodarg behauptet, das neue Virus sei weder neu noch besonders gefährlich. Ein Faktencheck.

Stephanie Lahrtz | Neue Zürcher Zeitung

Das neue Virus überlastet in Italien die Spitäler. Emanuele Cremaschi / Getty

Wolfgang Wodarg ist 73 und Lungenfacharzt, er war früher einmal Schiffsarzt und dann viele Jahre Amtsarzt in Schleswig-Holstein. Und er hält die weltweit erlassenen, strikten Massnahmen gegen die Corona-Pandemie für verantwortungslos – weil schädlich für die Wirtschaft – und für einen Ausdruck von Hysterie. Sars-CoV-2 sei nicht gefährlich und vermutlich gar nicht wirklich neu, gibt er sich überzeugt. Um dem seiner Ansicht nach schädlichen Treiben Einhalt zu gebieten, hat er vor wenigen Tagen ein Video gedreht. Er sitzt dort vor einer dunklen Wand, im grün-beigen Jackett, mit weissem Bart und etwas wirren Haaren. Seine Ausführungen garniert er mit einer Prise Verschwörungstheorie: Die Welt folge Virologen, die mit Tests Geld verdienen wollten. Sein Video sowie Interviews mit ihm wurden auf Youtube bereits mehr als eine Million Mal geklickt. Doch seine Kernaussagen halten einer Überprüfung nicht stand.

1. Wodarg sagt: Sars-CoV-2 ist nicht gefährlich und eventuell noch nicht einmal neu

Zwar sind Coronaviren an sich nichts Neues für den Menschen, da hat er recht. So gibt es vier Coronaviren, die seit Jahrzehnten in Menschen vorkommen. Sie verursachen schätzungsweise 5 bis 15 Prozent der winterlichen Atemwegserkrankungen in Europa.

Doch genetische Untersuchungen des Erbguts von Sars-CoV-2 belegen, dass dieses Virus erst vor ganz kurzer Zeit auf den Menschen übergesprungen ist. Und weltweit würden nicht in so kurzer Zeit so viele Menschen daran erkranken, wenn dieser Erreger für den menschlichen Körper und damit das Immunsystem tatsächlich ein alter Bekannter wäre.

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