Esoteriker Leonardo Boff: «Der gerechte Preis für unsere Grausamkeit»


Der Befreiungstheologe Leonardo Boff ist jetzt Esoteriker: Er führt das Coronavirus auf die Misshandlung der Erde zurück.

Michael Meier | Basler Zeitung

Er sieht ein bisschen wie Karl Marx aus und ist auch ein überzeugter Linker: der brasilianische Theologe und Autor Leonardo Boff. Foto: Christiane Mattos (Reuters)

Mit der Corona-Krise schlägt auch die Stunde der Moralapostel. Wobei es schon irritiert, wenn in den Chor der Unglückspropheten so angesehene Autoritäten wie der brasilianische Theologe Leonardo Boff (81) einstimmen. «Von jetzt an können wir alles befürchten, sogar die Vernichtung der menschlichen Rasse; es wäre der gerechte Preis für unsere Torheiten und Grausamkeiten.» So beginnt Boff seinen Aufsatz über «Die Ursprünge des Coronavirus».

Für ihn ist Corona wie alle Virenkrankheiten von Dengue über Ebola und Masern eine Reaktion von Mutter Erde auf den Raubbau des Menschen an der Natur. Er stellt das Virus in eine Reihe mit Artensterben, Taifunen, Dürren – alles Schäden, die der Mensch mit seinem gewalttätigen Handeln bewirkt habe. Aber ist Corona wirklich das Resultat menschlicher Gewalttätigkeit? Kann man den Menschen für das Virus verantwortlich machen so wie man ihm die Klimaerwärmung anlastet? Bei Boff liest man nicht, dass es Viren schon immer und vor dem Menschen gegeben hat und dass es die Globalisierung ist, die sie weltweit verbreitet.

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