Afghanistan kämpft um eine geköpfte Ziege


In Kabul findet dieser Tage ein Sportturnier der anderen Art statt: Beim Buzkashi geht es darum, einen enthaupteten Ziegenkadaver ins Ziel zu bringen. Trotz Krieg hat sich der afghanische Nationalsport erhalten.

Ulrike Putz | Neue Zürcher Zeitung

Buzkashi, was auf Persisch «die Ziege ziehen» bedeutet, gilt als afghanischer Nationalsport. Olivier Matthys / EPA

Drei Wochen nachdem die Taliban und die USA ein «Abkommen für den Frieden» unterzeichnet haben, feiern die Afghanen die Aussicht auf ruhigere Zeiten mit einem blutrünstigen Spektakel: In der Hauptstadt Kabul wird in diesen Tagen Buzkashi gespielt, ein zu Pferde betriebener Mannschaftssport. Dabei treten zwei Teams von zehn bis zwanzig Reitern gegeneinander an. Doch statt sich wie beim Polo mit Schlägern um einen Ball zu balgen, kämpfen die Afghanen mit blossen Händen um einen fünfzig Kilogramm schweren, enthaupteten Ziegenkadaver. Ziel ist es, den Ziegenkörper zu greifen, damit über das Spielfeld zu galoppieren und ihn in einen mit Kreide markierten «Kreis der Gerechtigkeit» fallen zu lassen: Tor!

Buzkashi, was auf Persisch «die Ziege ziehen» bedeutet, gilt als afghanischer Nationalsport. Dem Vernehmen nach brachte Dschingis Khan, dessen Horden im 12. Jahrhundert das Land einnahmen, den Zeitvertreib mit. Eine Partie Buzkashi ist seitdem der Höhepunkt vieler Dorffeste, wobei die Sache nun – im Angesicht des Friedens – professionalisiert werden soll. Buzkashi-Freunde haben dazu die erste landesweite Liga organisiert, die Spiele des Turniers finden noch bis Donnerstag statt. 14 Teams aus allen Ecken des Landes sind nach Kabul gereist, um sich miteinander zu messen.

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