Die Briten wollten nicht hören: Johnson verordnet eine weitgehende Ausgangssperre


Jetzt hat auch Grossbritannien die Bewegungsfreiheit stark eingeschränkt und damit unerwartet schnell zu Kontinentaleuropa aufgeschlossen. Für Premierminister Johnson ist das auch eine Niederlage.

Benjamin Triebe | Neue Zürcher Zeitung

So zögerlich Grossbritannien zunächst in der Bekämpfung des neuen Coronavirus handelte, so schnell hat es in den vergangenen Tagen den Kurs geändert. Premierminister Boris Johnson wandte sich am Montagabend in einer Fernsehansprache an die Briten, um ihnen diejenigen Massnahmen schmackhaft zu machen, die im europäischen Vergleich längst üblich sind: Das eigene Haus darf nur noch aus speziellen Gründen verlassen werden, etwa zum Einkaufen oder zum Gang zur Arbeit. Versammlungen von mehr als zwei Personen im öffentlichen Raum sind verboten. Die allermeisten Geschäfte müssen schliessen, unter anderem Supermärkte und Apotheken sind ausgenommen.

Immunisierung hat nicht mehr Priorität

Die Geschwindigkeit, mit der sich die Regierung von Empfehlungen zum Abstandhalten hin zu einer weitgehenden Ausgangssperre bewegte, ist bemerkenswert. Erst vor einer Woche hatte London die Strategie der sogenannten «Herdenimmunität» fallen gelassen. Die Niederlande vollzogen jüngst einen ähnlichen Kurswechsel. Inzwischen streitet die britische Regierung sogar ab, diese Strategie jemals verfolgt zu haben – obwohl der wissenschaftliche Chefberater der Regierung, Patrick Vallance, sie mehrmals so beschrieb.

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