Oscar Romero und die Militärkirche


Vor 40 Jahren wurde in El Salvador der „Prophet der Armen“ ermordet – Zu seinen Feinden zählte der katholische Armeebischof

Peter Bürger | TELEPOLIS

Symbolbild: Armee El Salvador. Foto: Presidencia El Salvador/CC0 1.0

Die „Theologie des Todes“ im Militärkirchenwesen läuft in geschichtlicher Perspektive allüberall auf die gleiche Blasphemie hinaus. Ihre Prediger in Hitlerdeutschland, Franco-Spanien oder wenige Jahrzehnte später in lateinamerikanischen Militärregimen legitimierten gleichermaßen die abgründigste Gewalt – in „Gottes Namen“. Stets ging dies einher mit einem faschistoiden Kleriker-Typus und dem autoritären Kirchentum der Kollaborateure.

In Argentinien z.B., wo der Katholizismus besonders eng mit dem „nationalen Fetisch“ vermischt war, standen viele Kirchenfürsten auf Seiten der Diktatur und verloren jeglichen moralischen Kompass. Die Militär- und Polizeiseelsorge konnte es als heilige Aufgabe betrachten, das Gewissen der Folterknechte durch ihren Segen zu entlasten. In „Pinochets Chile“ hingegen wurde aufgrund eines anderen historischen Weges mit mehr Staatsferne die Kirche doch mehrheitlich als Beistand der Bedrängten erfahren.

So müssen wir also stets genau hinschauen. Ein Teil der Christen stolziert im Geschichtsverlauf an der Seite der Henker, feiert Militär-Messen und assistiert dem Morden, ein anderer Teil kommt unter das Fallbeil.

Der „Hirte der Armen“

Zur letzten Gruppe gehörte der vor vierzig Jahren von einem Auftragskiller ermordete salvadorianische Erzbischof Oscar Romero. Seine Geschichte habe ich bereits an anderer Stelle in Telepolis („Umgebracht wird, wer stört“) ausführlicher erzählt. Die Waffenträger des Systems hatten bis März 1980 schon hunderte Christinnen und Christen in seinem Bistum umgebracht, darunter auch fünf Priester.

In seinen Predigten nannte Romero den Grund dafür: Die Armen im Land lernten, ihr Elend nicht mehr als Naturereignis hinzunehmen. Die winzige Minderheit der Reichen konnte ihre Privilegien nur noch mit eingekauften Politikern und einem polizeilich-militärischen Unterdrückungsapparat aufrechterhalten. Deshalb wurde es zur Aufgabe des Bischofs, in den Gemeinden der Campesinos die Leichen einzusammeln.

Die Armen El Salvadors haben in dieser Lage Romero beauftragt, ihre Stimme zu sein. Doch das Besondere an ihm war keineswegs die Bischofsweihe, sondern seine Ausnahmestellung im Bischofskollegium. Mit einer Ausnahme standen nämlich alle anderen Bistumsleiter gegen ihn, gemeinsam mit dem Vatikanvertreter Nuntius Gerada.

eim ersten Treffen mit dem neuen Papst aus Polen im Frühjahr 1979 deprimierte dieser – anders als der Amtsvorgänger Paul VI. – den bedrängten Romero mit antikommunistischen Ermahnungen. Eine ganze Riege mächtiger Kardinäle und Erzbischöfe, darunter nachweislich äußerst unmoralische Gestalten, überlegten, wie man den unbequemen Bischof der Armen in ihrem Sinne „unschädlich“ machen, d.h. absetzen könnte.

… und ein Oberst mit Bischofsmitra

Zu den innerkirchlichen Verfolgern Romeros und der Kirche der Armen gehörte auch José Eduardo Alvarez, Bischof von San Miguel. 1968 war ein Vertrag mit dem Vatikan über die Militärseelsorge für Polizei und Streitkräfte geschlossen worden. Ab diesem Zeitpunkt war Alvarez auch Militärbischof.

Wegen seines hohen militärischen Rangs nannte man ihn in Kirchenkreise einfach: „Der Oberst“. Alvarez zog nämlich gerne die Uniform der Mörder an. (Der sogenannte „Heilige Stuhl“ in Rom schämte sich übrigens nicht, noch 1987 ein weitergehendes Abkommen für El Salvador, ebenfalls mit Armeegeistlichen in Militärrängen, abzuschließen.)

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