Evolution: Das Rätsel der Körpergrößen


Die Vorfahren der heutigen Pferde haben ihre Körpergröße im Verlauf der Evolution deutlich verändert – insgesamt wurden die Urpferde größer, es gab aber auch Zeiten, in denen sie vorübergehend schrumpften. Doch was war der Antrieb dafür? Eine Studie deutscher Forscher widerlegt eine der gängigen Erklärungen für diese Größenänderung. Die bisher umfangreichste Vergleichsanalyse von rund 45 Millionen Jahre alten Urpferd- und Tapirfossilien aus der Fundstätte Geiseltal enthüllt, dass entgegen gängiger Annahme nicht das Klima die treibende Kraft war. Denn dann hätten sich die Körpergrößen beider Arten ähnlich entwickeln müssen – doch das Gegenteil war der Fall.

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Lebenswelt im Geiseltal vor 47 Millionen Jahren: Urpferd Propalaeotherium (links) und Tapir Lophiodon (Mitte) (Bild: Marton Szabo)

Das frühere Braunkohleabbaugebiet im Geiseltal westlich von Merseburg in Sachsen-Anhalt ist eine Schatztruhe für die Paläontologie. Denn dort wurden schon zwischen 1933 und 1993 Zehntausende von Fossilien aus der Zeit vor 42 bis 47 Millionen Jahren entdeckt. In dieser Zeit, dem Mittleren Eozän, lag in dieser Gegend ein morastiger subtropischer Wald, zu dessen Bewohnern Urpferde, frühe Tapire, große landlebende Krokodile sowie Riesenschildkröten, Eidechsen und bodenlebende Vögel gehörten. Die Funde aus dem Geiseltal sind so zahlreich und umfassend, dass sie Forschern ein Bild der Evolutionsdynamik bis auf die Ebene von Tierpopulationen mit bisher unerreichter Detailgenauigkeit geben. „Das Geiseltal ist als Fossilienfundstelle genauso bedeutend wie die Grube Messel bei Darmstadt, die zum UNESCO-Weltkulturerbe zählt“, erklärt Studienleiter Marton Rabi von der Universität Tübingen und der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. Während aber die Funde aus der Grube Messel nur einen weniger als eine Million Jahre langen „Schnappschuss“ aus der damaligen Lebenswelt liefern, erlauben es die über fünf Millionen Jahre verteilten Fundschichten im Geiseltal, auch zeitliche Entwicklungen zu untersuchen.

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