Bringen Schaltjahre Unglück? In den Philippinen glauben viele daran – ein Vulkanausbruch bestätigt sie in dem Glauben


Südlich der philippinischen Hauptstadt Manila begann das Jahr mit Erdstössen und einem lauten Knall. Am 12. Januar brach dort der Vulkan Taal aus. Er vertrieb die Bevölkerung und verwandelte eine grüne Insel in eine Mondlandschaft. Im Krater brodelt es weiterhin gespenstisch.

Manfred Rist | Neue Zürcher Zeitung

Familienbilder in einem Wohnhaus zeigen Spuren des Vulkanausbruchs auf den Philippinen. Der Taal-Vulkan spuckte im Januar tagelang Asche, Gestein und Lava aus und trieb in der Provinz Batangas über 100 000 Menschen in die Flucht. Ezra Acayan / Getty

Das alte Gerücht, dass Schaltjahre Unglück bringen, hält sich auch auf den Philippinen hartnäckig. Und 2020 schien sich der Aberglaube bereits vor der Ankunft der Coronavirus-Pandemie im Inselstaat zu bestätigen: Für die Bevölkerung in den Hügeln der südlich von Manila gelegenen Provinz Batangas begann das Jahr mit einem Knall, der dort allerlei ominöse Vermutungen bestärkt: Der Vulkan Taal, der an Silvester noch tief zu schlummern schien, explodierte wenige Tage später und rief zumindest den Abergläubischen in Erinnerung, dass ein prekäres Jahr begonnen hatte. Allen anderen zeigte der Ausbruch wieder einmal, wie unruhig und brüchig die Erdkruste des philippinischen Archipels ist.

Ominöses Rumpeln, Blitze, Lava und Asche 

Bis zu jenem 12. Januar hatte Ramil Alvarez drei Jobs. Auf dem Taal-See unterhielt der 46-jährige Filipino eine kleine Fischfarm, hinter seinem Haus zog er Hühner auf, und wenn Touristen kamen, führte er diese auf den Vulkanberg, der keck mitten aus dem See ragt. Besucher kamen immer mehr, seit in Tagaytay, einer hübschen Kleinstadt auf 700 Metern Höhe, eine legendäre Lodge zu einem Luxushotel mit Konferenzräumen ausgebaut worden war. Das Hochplateau mit Sicht über den See und den Vulkan war damit zu einem erstklassigen Ausflugsziel geworden, wo viel geheiratet und noch viel mehr geknipst wurde. Hin und wieder wurden hier gar Ministertreffen abgehalten oder ausländische Staatsgäste empfangen und in die Schönheiten der philippinischen Landschaft eingeweiht.

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