Covid-19: „Smart Distancing“ satt „Social Distancing“


Das private Tragen von Schutzmasken wird nun auch von Akteuren empfohlen, die sich vorher dagegen aussprachen

Peter Mühlbauer | TELEPOLIS

Mundschutzfertigung bei Trigema. Foto: Trigema

Nachdem sich das Sars-CoV-2-Virus in Europa weiter stark ausbreitet, raten nicht nur mehr Epidemiologe aus Asien Privatleuten zum Tragen von Schutzmasken, sondern auch europäische Akteure wie der Bundesärztekammerchef Klaus Reinhardt, der das in der Neuen Osnabrücker Zeitung macht. Der Virologe Alexander Kekulé empfiehlt es nun als Bestandteil eines Smart Distancing, das er für gleichzeitig „sanfter“ und wirksamer als das derzeit von der deutschen Politik propagierte „Social Distancing“ mit Ausgangsbeschränkungen und einem weitgehenden wirtschaftlichen „Lockdown“ hält.

Der „erhebliche Effekt“, den das massenhafte Tragen solcher Masken seinen Erkenntnissen nach in Hongkong hatte, zeigt seiner Meinung nach, dass sie auch anderswo zu einem „Standardaccessoire“ werden müssten. Nicht nur, weil man damit als Symptomfreier ohne Wissen um eine eigene Infektion andere Menschen schützt, sondern auch, weil selbst ein einfacher Mund- und Nasenschutz „neueren Daten nach“ den Träger „zu einem gewissen Grad“ vor einer Ansteckung bewahrt.

Selbsttests

Andere Bestandteile einer durchdachteren Krisenbewältigung wären seinen Worten nach ein länger als ein paar Wochen oder Monate anhaltender Verzicht auf den Handschlag als Begrüßungsritual (vgl. Live Long And Prosper) und ein schnelles Zugänglichmachen von Sars-CoV-2-Tests, die man ohne behördliche und medizinbürokratische Hürden kaufen und selbst durchführen kann. Dass es der Robert Bosch GmbH in nur sechs Wochen gelang, einen Test zu entwickeln, der innerhalb von zweieinhalb Stunden ein zu 95 Prozent zutreffendes Ergebnis liefert, deutet darauf hin, dass es keine technische Unmöglichkeit wäre, so ein Angebot zu entwickeln. Eine andere Frage ist, wie schnell es die Bürokratie danach zulässt. Das Beispiel des Karlsruher Gin-Hersteller Breaks, der anbot, knapp gewordenes Desinfektionsmittel herzustellen, gibt einen Hinweis darauf, wo in Deutschland die größeren Probleme liegen könnten.

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