Englischer Schweiß: Die Seuche, die blitzschnell tötete und dann einfach verschwand


Am Ende der Rosenkriege kam über England plötzlich eine Epidemie, der Englische Schweiß. Sie raffte vor allem kräftige Männer dahin und tötete schneller als die Pest. Bis heute rätselt man, was das für eine Krankheit war.

Berthold Seewald | WELT

Typische Therapie gegen Englischen Schweiß: Die Kranken wurden in Decken gehüllt – was sich als kontraproduktiv erwies Quelle: Gemeinfrei

Seit es Geschichtsschreibung gibt, erzählt sie von Seuchen. Bereits der Dichter Homer lässt in seiner „Ilias“ eine tödliche Krankheit über das Heerlager der Griechen vor Troja kommen, deren Urheber natürlich ein Gott, Apollon mit seinen Pfeilen, gewesen sein soll. Einige Jahrhunderte später beschreibt der Historiker Thukydides in seiner Geschichte des Peloponnesischen Krieges eine Seuche, die im Jahr 430 v. Chr. das mächtige Athen heimsuchte, während die Stadt von den Spartanern belagert wurde.

Doch nicht einmal die sehr genaue Dokumentation des Autors, der selbst an der Epidemie erkrankte, hat bislang Aufschluss darüber erbracht, was für eine Krankheit die Athener dahinraffte. Das gilt auch für eine andere Seuche, die ebenfalls während eines Krieges ausbrach. Als Heinrich Tudor nach seinem Sieg über Richard III. bei Bosworth 1485 in London einzog, brachte er eine Geißel mit, die schneller tötete als die Pest. Binnen weniger Stunden starben zwei Bürgermeister und mehrere Ratsherren, nachdem sie zuvor noch an einem Empfangsgelage teilgenommen hatten.

Als Englischer Schweiß ist die unbekannte Seuche in die Geschichtsbücher eingegangen. Englisch, weil die fünf Wellen, in denen sie ihre Opfer fand, stets auf der Insel ihren Ausgang nahmen. Schweiß, weil übel riechende Ausdünstungen zu den markanten Symptomen gehörten.

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